Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko erhält keine Akkreditierung für die Olympischen Sommerspiele 2012.

Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko erhält keine Akkreditierung für die Olympischen Sommerspiele 2012.

Moskau. Alexander Lukaschenko, Präsident von Weißrussland, erhält für die Olympischen Spiele in London keine Akkreditierung. Lukaschenko führt seit vielen Jahren auch das Nationale Olympische Komitee seines Landes an. Das britische Innenministerium verweigert dem Staatspräsidenten ein Visum.

Ab dem heutigen Mittwoch (die ersten Gruppenspiele im Fußball werden schon ab Mittwoch ausgetragen) startet mit den Olympischen Spielen das größte Sportereignis der Welt. Etwa 120 Staatsoberhäupter und Tausende „Very Important Persons“ werden am Freitagabend zur Eröffnungsfeier dieses sportlichen Highlights erwartet.

Queen Elizabeth II wird die 35 Millionen Euro teure Show eröffnen, dabei sein sollen unter anderem der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, USA-First-Lady Michelle Obama, Hollywood-Star Angelina Jolie und auch der König von Swasiland. Das Staatsoberhaupt von Weißrussland, Alexander Lukaschenko, will man aber offiziell nicht bei den Olympischen Spielen haben.

Mitte Juli hatte sich Lukaschenko darüber beklagt, dass die Olympischen Spiele seiner Ansicht nach zu stark politisiert seien.

Wie RIA Novosti meldete, hatte der Präsident des Olympischen Komitees Russlands, Alexander Schukow, über Twitter mitgeteilt, dass „das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in London dem Präsidenten des Weißrussischen Olympischen Komitees, Alexander Lukaschenko, die Akkreditierung verweigert hat“. Schukow kommentierte dieses: „Jeder Schüler weiß, dass im alten Griechenland für die Zeit der Spiele eine Waffenruhe erklärt wurde. Wie steht es nun mit den olympischen Werten und Traditionen?“

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Organisationskomitee der Olympischen Sommerspiele 2012 in London hatten diese Meldung umgehend dementiert.

„Darüber, wer zu den Olympischen Spielen kommen darf, entscheiden die örtlichen Behörden“, hieß es in der IOC-Pressestelle.

Vom Pressedienst des Organisationskomitees London 2012 verlautete es: „Wir haben die Einladungen zu den Spielen an 204 Staatschef geschickt. Die Entscheidung über die Einreisegenehmigung trifft das Innenministerium.“

Das Innenministerium in London weigerte sich aber die Situation zu erläutern, da sie keine Kommentare zu Visa-Verweigerungen abgeben würden. Die britische Botschaft in Minsk hat dagegen das Einreiseverbot für Präsident Alexander Lukaschenko zu den Sommerspielen in London bestätigt.

„Präsident Lukaschenko steht auf der Liste der Personen, die nicht in die EU einreisen dürfen. Dieses Verbot gilt auch für die Zeit der Olympischen Spiele. Die Entscheidung wird nicht revidiert“, äußerte ein Botschaftssprecher gegenüber RIA Novosti.

Wer nun im Endeffekt Präsident Lukaschenko die offizielle Teilnahme an den Olympischen Spielen verweigert, ist nebensächlich. Hauptsächlich ist, dass dieser Willkürakt nicht im Einklang mit dem olympischen Moto steht.

Wenn heute vom olympischen Motto die Rede ist, ist oft „dabei sein ist alles“ gemeint. Diese Aussage steht zwar in klarem Gegensatz zum klassischen Motto „Citius, altius, fortius“ (Schneller, Höher, Stärker). Trotzdem, wie sieht es im Fall Lukaschenko mit dem heutigen Motto „dabei sein ist alles“ aus? Die Olympischen Spiele sollen doch ein Fest des Sports und nicht der Politik sein und somit das Ereignis selbst in den Vordergrund stellen.

Damit bleibt wieder einmal die in der Olympischen Charta postulierte politische Neutralität ein Wunschtraum – egal wer diese Visa-Verweigerung zu verantworten hat.

Außerdem bleibt die Frage: Mit welchem Maß misst das britische Innenministerium? Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International schreibt in ihrem Jahresbericht von 2010, dass die Sicherheitsgesetze in Swasiland dazu benutzt werden, die Rechte der Menschen zu verletzen. Die Polizei wandte exzessive Gewalt gegen friedliche Protestteilnehmer an. Auch gab es Berichte über Folter und den ungerechtfertigten Einsatz von Gewalt mit Todesfolge durch Polizeikräfte. Fast 70 % der Bevölkerung von Swasiland leben in absoluter Armut. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der König von Swasiland darf aber nach England einreisen.

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