München/Moskau. Vitali Klitschko hat heute Nacht in der Münchner Olympiahalle seinen WBC-Weltmeistertitel gegen einen unfairen und respektlosen Herausforderer Dereck Chisora aus England verteidigt. Bei seinem Sieg hatte Klitschko aber deutlich mehr Probleme als erwartet. Der 40-jährige Klitschko gewann einstimmig nach Punkten (118:110, 118:110, 119:111). Dieses Ergebnis täuscht aber ein wenig über den Kampfverlauf hinweg.

Ein im Ring guter Boxer aber menschlich nicht akzeptabler Chisora attackierte Klitschko ständig und war meist im Vorwärtsgang. Dabei konnte der 28-Jährige ein paar harte Treffer bei Vitali Klitschko landen. Insbesondere in der achten Runde, in der Chisora zuvor seinen K.o.-Schlag angekündigt hatte, konnte Chisora seinen Punkterückstand verkürzen..

Der Gesmtsieg von Vitali Klitschko war eindeutig und unumstritten, das Ergebnis hätte aber auch ein bis zwei Runden geringer ausfallen können. In seinem Siegerinterview rang der Boxer aus der Ukraine, der in Kiew und Hamburg lebt, auch noch sichtlich nach Luft.

Klitschko war im Kampf überlegen, doch er wirkte schon nach wenigen Runden gehemmt und boxte nicht wie gewohnt. Nach dem Kampf lieferte Vitali die Erklärung dafür – er hatte sich bereits in den ersten Runden eine Verletzung an der linken Schulter zugezogen. „Es ist keine Entschuldigung, sondern nur eine Erklärung, warum ich Chisora nicht K.o. geschlagen habe. Ich musste im Prinzip acht Runden lang mit nur einer Hand boxen. Wenn man meine Kämpfe analysiert, dann sieht man, wie wichtig die linke Hand für meine Kampfgestaltung ist, ich konnte diese Hand nicht mehr richtig einsetzen“, sagte Klitschko. Heute, am Sonntag soll die Verletzung untersucht werden.

Chisora forderte gleich nach seiner Niederlage beide Klitschkos zu einem weiteren Kampf heraus. Ob es zu einem Rückkampf gegen Vitali oder überhaupt zu einem Kampf gegen Wladimir Klitschko kommen wird ist sehr fraglich. So ansehnlich Chisora sein Auftritt im Ring auch war, so sehr brachte er mit seinem Verhalten die Box-Welt gegen sich auf.

Bereits beim Wiegen am Freitag verpasste der britische Herausforderer seinen Gegner Vitali Klitschko eine deftige Ohrfeige, nachdem er erst seine Stirn gegen Klitschkos Gesicht gedrückt hatte. Vor dem Kampf spuckte er obendrein auch noch Bruder Wladimir mit Wasser ins Gesicht. Dazwischen äußerte er Beleidigungen in Richtung der Klitschko-Brüder, die nicht jugendfrei waren. Auch nach dem Kampf lieferte er sich heftige Wortgefechte mit den Klitschkos. Dieses gesamte Verhalten gilt im Box-Sport als eine besondere Schande und gerade in der Ukraine als eine schlimme Demütigung.

Ein gewisser Showanteil gehört zum Profiboxen einfach dazu, was Chisora aber ablieferte war weit unter die Gürtellinie. Diese Aktionen werden jetzt für Chisora Folgen haben. Das World Boxing Council (WBC) entschied, dass von Chisoras Kampfbörse, in Höhe von rund 380.000 Euro, zehn Prozent einbehalten werden sollen. 50 Prozent der Geldstrafe sollen an die Max-Schmeling-Stiftung gehen, die anderen 50 Prozent an eine WBC-Stiftung.

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Bei diesem Treffen der WBC-Verantwortlichen brachte der britische Boxverband sein Beschämen über das Verhalten von Chisora zum Ausdruck, entschuldigte sich und kündigte an, das Chisora gesperrt wird.

 

„Sportlich hat Chisora eine gute Leistung gebracht, aber menschlich habe ich keinen Respekt vor ihm“, sagte Vitali Klitschko in einer ersten Reaktion nach dem Kampf und bedankte sich beim Publikum für die große Unterstützung.

Chisora musste im Interview anerkennen, dass sein Kontrahent aufgrund der größeren Erfahrung gewonnen habe. Sein Interview war kaum zu verstehen, da es von einem gellenden Pfeifkonzert der Zuschauer begleitet war.

Wie lange boxt Vitali Klitschko noch?

Bleibt unter dem Strich auch noch die Frage: Wie lange tut sich Vitali Klitschko dieses alles noch an? Nach dem Kampf konnte man diese Frage auch in Vitali seiner Mimik erkennen.

Beide Klitschkos engagierten sich für die Demokratiebewegung (Orange Revolution) in der Ukraine. Am 26. März 2006 trat Vitali Klitschko auch bereits zum ersten Mal bei der Wahl zum Bürgermeister der Stadt Kiew an und kandidierte ebenfalls für das ukrainische Parlament. Im April 2010 wurde Vitali Klitschko zum Vorsitzenden der neu gegründeten Partei „Ukrainische demokratische Allianz für Reformen“ (UDAR) gewählt.

Daraus resultierend hat Vitali Klitschko längst eine zweite Laufbahn begonnen und konzentriert sich zunehmend darauf. Im Herbst dieses Jahres finden erneut Parlamentswahlen und Bürgermeisterwahlen in Kiew statt, bei denen Klitschko beziehungsweise seine Partei kandidieren wird. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Vitali im Jahr 2015 als Präsidentschaftskandidat in der Ukraine antreten wird.

Aus diesen Gründen und auch den unschönen Vorfällen an diesem Wochenende in München ist nicht auszuschließen, dass Vitali Klitschko nicht mehr oft als aktiver Boxer zu bejubeln seien wird.

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