London/Moskau. Im Olympischen Dorf wurde gestern offiziell die russische Flagge gehisst. Bei dieser festlichen Zeremonie waren auch neben den Sportlern und Trainern der russische Sportminister Witali Mutko, der Präsident des russischen Olympischen Komitees Alexander Schukow, der Chef der russischen Delegation Pawel Kolobkow, der russische Botschafter in Großbritannien Dmitrij Jakowenko und andere Offizielle anwesend.

Nach den Klängen der Nationalhymne Russlands und der gesamten Zeremonie der Flaggenhissung gingen die russischen Sportler in das olympische Dorf und bezogen ihre Zimmer, wo sie bis zum 12. August leben werden. Die ersten russischen Athleten waren schon am 17. Juli in London eingetroffen – zwei Sportschützen und sechs Segelsportler. In der Zwischenzeit sind fast alle Sportler der russischen Olympiamannschaft an Bord in London. Die 436 Sportler und Sportlerinnen aus Russland werden in 34 der 37 olympischen Disziplinen um Medaillen kämpfen.

Die Gastgeber der Olympischen Spiele feiern sich für großartige Leistungen, einige Sportler und Offizielle beklagen aber die beengten Verhältnisse im olympischen Dorf. 13 Quadratmeter Wohnfläche stehen jedem Sportler zur Verfügung. Der Kraftraum ist auch sehr klein.

Die russische Delegation ist in drei siebenstöckigen Gebäuden untergebracht. Alexander Schukow sagte dazu: „Die Wohnungen, in denen unsere Sportler untergebracht sind, sind durchaus gut, obwohl die Bedingungen teilweise spartanisch sind. Es kann nicht gesagt werden, dass es dort uneingeschränkt behaglich ist – nicht jedes Zimmer verfügt über alle Komforts, es gibt nur eine Toilette für mehrere Zimmer.“ Weiter ergänzte er: „In Sotschi, der Stadt der olympischen Winterspiele 2014, werden sowohl die Bedingungen für die Sportler als auch alle Zeremonien eindeutig besser sein.“

In Stratford, wo einst Brachland und Fabrikhallen waren, wohnen jetzt auf 73 Hektar die Sportler der XXX. Olympischen Spiele. Rund 10.000 der 17.320 Betten in 3.300 Apartments sind bereits belegt. Zweckmäßigkeit ist angebracht, Luxus erwartet niemand.

Von außen wirkt das Dorf wie ein Gefängnis. Vier Meter hohe und 5.000 Volt starke Elektrozäune, an den Eingängen penible Kontrolleure. Niemand, der nicht soll, kommt hinein.

Die „Plaza“ ist das Herzstück des Geländes, auf dem sich bis zu 20.000 Menschen bewegen. Viele Anwesende, wenig Platz – das klassische Großstadtproblem bewirkt, dass auch das olympische Dorf auf das Konzept mächtiger Betontürme – getrennt durch kleinere Grünzonen – setzt.

Abgesehen davon fehlt es den Bewohnern an nichts: Geistliche aller Konfessionen, Bank, Post, Supermarkt, Ärzte – alles vorhanden. In der Mensa können 5.500 Sportler gleichzeitig versorgt werden, rund um die Uhr. Eierkuchen um zwei Uhr morgens, in Knoblauch gebratene Garnelenspieße zum Frühstück – alles kein Problem. Typische russische Gerichte wie zum Beispiel Borschtsch oder Piroschki sucht man aber leider vergebens und Alkohol muss von außerhalb ins Dorf geschafft werden.

Auch für die Medienvertreter ist es nicht so leicht bei diesem sportlichen Highlight. Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele dürfen die Berichterstatter das olympische Dorf vor Beginn der Olympischen Spiele nur zweimal besuchen.

sotschi-2014.RU