Auch die russischen Fußball-Frauen sind bei der EM 2013 in Schweden dabei.

(von Michael Barth) St. Pölten/Rostow. In den beiden entscheidenden Qualifikationsspielen zur Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2013 in Schweden haben die russischen Damen gegen die Österreicherinnen ihre Klasse unter Beweis gestellt. Nach vier Jahren ist nun wieder einmal die Teilnahme an einem internationalen Turnier für die Sbornaja perfekt. Die wenigen Zuschauer in den Stadien sahen dabei zwei durchaus sehr ansehnliche Partien.

Vor, naja sagen wir mal, leicht verhaltenem Publikum in beiden Arenen ging es nur um Siege und Tore. Die Österreicherinnen, die noch nie an einer Endrunde der Fußball-Europameisterschaft teilnehmen durften, gingen mit viel Optimismus in beide Spiele. Die Russinnen ihrerseits hatten sich bereits die Teilnahme an den EM-Endrunden 1997, 2001 und 2009 gesichert. Auch wenn bislang alle Turniere für die Sbornaja früh in der Gruppenphase endeten, stehen diesmal die Zeichen günstiger. Österreich witterte seine Chance, Russland ging dagegen relativ abgebrüht in diese Quali-Nummer.

Hinspiel 21.10.2012: St. Pölten, NV-Arena (3.600 Zuschauer)

Bereits in der Qualifikation zur Frauen-EM 2009 standen sich beide Mannschaften gegenüber und beide Qualifikationsspiele gingen vor vier Jahren klar an Russland – 5:1 und 3:1, die Ergebnisse sprachen eine deutliche Sprache.

Man spürte auch diesmal von Anfang an, die Österreicherinnen wollten endlich einmal die EM-Endrunde erreichen und sie waren übermotiviert. Dementsprechend holprig gestaltete sich die Anfangsphase des ersten Spiels in St. Pölten. Elvira Todua, die Torfrau der Russinnen musste zwar in der siebten Spielminute einen Freistoss mittels Faustabwehr klären, das war allerdings auch schon die gesamte Gefährlichkeit der ÖFB-Auswahl in der anfangsphase. Russland hingegen gab Gas. Lautstark unterstützt durch die russischen Anhänger auf der Tribüne bahnte sich ein regelrechter Wirbelwind an und die Russinnen nutzten auch den Raum für ihr Konterspiel.

Valentina Sawteschenkowa war es schließlich, die in der 25. Minute den verdienten ersten Treffer für die Sbornaja markierte. Die Österreicherinnen, zwar mittlerweile aufgewacht, liefen gnadenlos in einen Konter und die Tür zur Europameisterschaft stand für die Russinnen auf einmal ganz weit offen. Österreich hatte nach einer halben Stunde immer noch nicht so richtig ins Spiel gefunden. Zu schlampig wurde das Leder angenommen und gute Chancen einfach ausgelassen. Am gefährlichsten wirkte noch der stramme Schuss von Viktoria Schnaderbeck in der 36. Spielminute, der jedoch knapp über die Latte strich. In der Folge versuchten die Österreicherinnen – ein ums andere Mal die schnelle Stürmerin, quasi Torschützin vom Dienst, Nina Burger steil anzuspielen, jedoch blieben sämtliche Zuspiele ihrer Mitspielerinnen in der russischen Abwehr hängen.

In der 42. Spielminute klingelte es dann erneut im Tor der Österreicherinnen. Ein herrlich in die Gasse geschlenzter Ball, Natalia Schljapina stand goldrichtig und musste lediglich einschieben. So konnte die Sbornaja mit einem beruhigenden 2:0-Vorsprung, und dieses auf gegnerischem Terrain, in die Halbzeitpause gehen.

Die Rollen zu Beginn der zweiten Spielhälfte waren eigentlich klar verteilt. Österreich musste – Russland durfte. Das war im Wesentlichen auch der weitere Spielverlauf in St. Pölten. Die österreichischen Frauen schafften es aber immer noch nicht so richtig ins Spiel zu finden und bis auf die letzte Viertelstunde gab es kaum Nennenswertes zu berichten. Zwar überließen die Gäste weit mehr Raum den Gegnerinnen, doch langsam gingen dem Team im roten Gewand die Ideen aus. Eine finale Flanke auf Schnaderbeck, die noch aus spitzem Winkel schießen konnte, aber auch ihre zweite große Gelegenheit vergab – war das Einzige noch Nennenswerte im Hinspiel beider Mannschaften.

Rückspiel 25.10.2012: Rostow na Don, Olimp-2 (2.500 Zuschauer)

Dementsprechend selbstbewusst gingen die Russinnen dann auch in ihre noch ausstehende Hausaufgabe. Dominik Thalhammer, der österreichische Teamchef, wollte Schwächen in der russischen Innenverteidigung erkannt haben und versuchte seine Mannschaft bis in die Haarspitzen zu motivieren. Konnten die Alpenkickerinnen das Ruder tatsächlich noch herumreißen?

Zunächst aber muss man sich fragen, warum der Frauenfußball in einigen Ländern offenbar kein allzu großes Renommee genießt? Auch in Rostow herrschte gähnende Leere im Stadion. Schade eigentlich, denn die Österreicherinnen bauten frühzeitig Druck auf und die Russinnen standen kompakt in der Defensive. Es entwickelte sich gleich ab den ersten Spielminuten eine durchaus muntere Partie. Österreich versuchte die russische Torfrau mit Weitschüssen zu prüfen, Russland setzte hingegen auf ihr konzentriertes Spiel.

Die Frauen aus Österreicherinnen lauerten auf einen entscheidender Fehler der Gegnerinnen. Der unterlief aber in der 29. Minute der Österreicherin Susanna Höller, die den Ball knapp am eigenen Tor vorbei köpfte. Die darauffolgende Ecke nickte Anastasia Kostjukowa abgebrüht zum 1:0 für Russland ein. Österreichs Hintermannschaft wackelte nun etwas mehr. Das steile, aber dann doch planlose Spiel nach vorn stellte die Russinnen ebenfalls vor keine großen Probleme. Lediglich einmal, in der 44. Minute, musste Elvira Todua einen schönen Schuss von Laura Feiersinger mit der Faust abwehren. Nun mussten sich die Mädels im roten Dress für die zweite Spielhälfte etwas einfallen lassen – es fehlten bereits ganze 4 Tore zur EM-Teilnahme.

Auch wenn Thalhammer nun auf ein offensives 4-3-3 Spiel umstellen ließ, den Österreicherinnen fehlte auch in der zweiten Halbzeit schlichtweg die zwingenden Ideen. Eine gute Stunde war gespielt, den Österreicherinnen fiel einfach nichts Probates ein. Die Russinnen hingegen spielten die Partie ganz cool herunter und attackierten schon früh im Mittelfeld.

Lediglich der Freistoß in der 75. Spielminute, nach energischem Trikotzupfen von Valentina Sawtschenkowa, brachte die Sbornaja in Verlegenheit. Sarah Puntigam zirkelte den Ball sauber über die Mauer und ein Patzer von Todua bescherte den 1:1-Ausgleich. Sollten sich die Russinnen in den letzten Minuten doch noch einmal in Verlegenheit bringen lassen? Die Möglichkeiten für Österreich häuften sich auch. Drei Minuten Nachspielzeit wurden angezeigt.

Russland fährt nach Schweden, Österreich bleibt nur die Zuschauerrolle

In der 94. Spielminute pfiff Efthalia Mitsi, die Unparteiische aus Griechenland, dann die Partie endgültig ab – nun war es amtlich: Die russischen Fußballfrauen fahren nach Schweden und dürfen sich auf die Endrunde freuen, die Österreicherinnen dagegen haben einmal mehr die Qualifikation dorthin verpasst.

Fazit: Die Mädels im weißen Dress (Russland) schlugen die Amazonen in Rot (Österreich) verdient mit insgesamt 3:1 Toren. Und der russische Chefcoach Sergej Lawrentjew weiß genau, dass er auf ein starkes Kollektiv zurückgreifen kann, welches einheitlich in der russischen Liga engagiert ist und dieses wohl auch nächstes Jahr vor der Europameisterschaft in Schweden sein wird. Schade nur, dass das Publikum nicht so recht Anteil daran nehmen wollte.

Die Teilnehmerinnen im Turnier der Europameisterschaft 2013 in Schweden sind somit neben den Gastgeberinnen: Italien, Deutschland, Norwegen, Frankreich, Finnland, England, die Niederlande und Dänemark. Zudem wurden durch die Playoffs der Qualifikationsrunde bisher Spanien und Russland ermittelt. Lediglich das Ergebnis der entscheidenden Begegnung zwischen Island und der Ukraine steht noch aus, da dies bei Redaktionsschluss noch nicht feststand.

Autor: Michael Barth

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