Sotschi. Russlands Paralympics-Sportler haben bereits zwei Tage vor der Abschlusszeremonie am Sonntag die Länderwertung im Medaillenspiegel der Paralympischen Winterspiele 2014 gewonnen. Nach 56 von 72 Medaillenentscheidungen hat Russland 25 Gold-, 21 Silber- und 18 Bronzemedaillen gewonnen und ist damit nicht mehr vom ersten Platz zu verdrängen. Auf Platz zwei in der Mannschaftswertung steht Deutschland mit siebenmal Gold und viermal Silber. Das Geheimnis dieses russischen Erfolges liegt in einer staatlichen Förderung der Athleten und Athletinnen.

Im Sledege-Eishockey steht Russland auch bereits im Finale und trifft dort auf die USA, die bereits in der Vorrunde mit 2:1besiegt wurde. „Unsere Mannschaft zeigt den wahren Charakter Russlands“, sagte Trainer Sergej Samoilow.

Noch nie hat ein Gastgeber so viel in paralympische Wintersportarten investiert wie Russland. Die Mehrheit der 69 Teilnehmer kann sich auf Sport konzentrieren – die Kosten trägt der Staat.

 

Für Gold erhalten sie die gleiche Prämie wie die olympischen Sportler aus Russland: vier Millionen Rubel, rund 80.000 Euro. Außerdem gibt es Wohnungen, Autos und Sonderzahlungen ihrer Regionen.

Jahrzehnte hatten behinderte Sportler in Russland keine oder nur wenige Anlaufstellen, das Paralympische Komitee wurde erst 1995 gegründet. Mit Blick auf die Olympia-Bewerbung wurden tausende junge Menschen mit einer Behinderung von Talentspähern begutachtet, auch der Kreis der privaten Förderer wuchs: Ein Telekommunikations-Unternehmen zahlte Bildungsreisen des Schlittenhockeysteams in die USA und Kanada. Der milliardenschwere Unternehmer Michail Prochorow finanzierte eine Trainingsstätte der Biathleten.

„In Russland wurde die zentralistische Förderstruktur zum Teil erhalten“, sagt Karl Quade, Chef de Mission des deutschen Teams. Die entscheidenden Fäden hält der Sportminister Witali Mutko in den Händen. Der Behindertensport nimmt in seinem Ressort einen bescheidenen Platz ein, und doch reichen die Anstrengungen, um die Paralympier dominieren zu lassen. Im Skilanglauf der stehenden Klasse nahmen sechs Männer am Sprintfinale teil – alle sechs kamen aus Russland.

Präsident Wladimir Putin sagte: „Ich rufe alle auf, die Paralympics in den Medien zu verfolgen.“ Zudem ließ er Wachstum verbreiten: In 26 Regionen sollen Sportschulen für behinderte Jugendliche erweitert werden, 1400 Fachkräfte sollen speziell ausgebildet werden.

„Man kann unmöglich prüfen, ob diese Versprechen gehalten werden“, sagt Maria Komandnaya, Reporterin des regierungskritischen Fernsehsenders TV Rain. Auch sie berichtet über Sotschi als Musterregion für Barrierefreiheit, auch sie erwähnt den freundlichen Patriotismus auf den Tribünen.