Der größte Triumph für Natalja Antjuch in ihrer Karriere - ein sehr emotionaler Moment.

Der größte Triumph für Natalja Antjuch in ihrer Karriere – ein sehr emotionaler Moment.

London. Natalja Antjuch hat die elfte Goldmedaille für Russland über 400 Meter Hürden bei den Olympischen Spielen in London gewonnen. Gestern Abend gewann auch noch Jelena Sokolwa Silber im Weitsprung. Zwei Mal Bronze ging an die Russin Lubow Wolossowa im Ringen und an Alexej Denisenko im Taekwondo. Weitere russische Sportler stehen bereits im Halbfinale.

Natalja Antjuch siegte in einem dramatischen 400 Meter Hürdenlauf mit persönlicher Bestzeit von 52,70 Sekunden. Die Zweitplatzierte, die Weltmeisterin Lashinda Demus aus den USA, begann wie die Feuerwehr und übernahm sofort die Führung. Die 31-jährige Antjuch musste höllisch aufpassen und durfte Demus auf keinen Fall zu weit weglaufen lassen. Zur Hälfte der Distanz lagen beide Sportlerinnen fast gleichauf. Die WM-Dritte Antjuch stürmte als Erste auf die Zielgerade, sie gilt als „Frau der Zielgeraden“. Der Vorsprung der Russin wuchs auch leicht, doch dann musste sie beim Anlauf zur letzten Hürde trippeln, um nicht zu stürzen. Sie war auch einfach zu müde, um die Schrittanzahl zwischen den Hürden von 16 auf 15 zu verringern. Dadurch kam die US-Amerikanerin noch einmal bis auf sieben Hundertstelsekunden heran. Natalja Antjuch brachte aber ihren geringen Vorsprung ins Ziel und erreichte damit den größten Erfolg in ihrer langen Karriere. Bronze ging in 53,38 Sekunden an die Tschechin Zuzana Hejnova.

Es war ein sehr emotionaler Moment nach ihrem Sieg, sie kniete auf der Tartanbahn und richtete die Blicke in den Himmel – es flossen die ersten Tränen. Antjuch schüttelte den Kopf und konnte ihren Sieg einfach nicht fassen.

Nach ihrem Sieg sagte die neue Olympiasiegerin zu den Journalisten: „Ich kann immer noch nicht glauben, was passiert ist. Diese Erkenntnis muss wirklich erst kommen – ein wenig später. Vor dem Start hatte ich natürlich gehofft, bei den Olympischen Spielen eine Medaille zu gewinnen – aber dass es Gold wird, ich glaube es immer noch nicht. Die Amerikanerin machte genau wie ich einen Ausfallschritt im Ziel, bis ich meinen Namen auf der Anzeigetafel oben sah, glaubte ich nicht, dass ich gewonnen hatte.“

Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen gewann Antjuch bereits die Bronzemedaille über 400 Meter flach. In der Freiluftsaison 2009 wechselte sie zum 400-Meter-Hürdenlauf und wurde bei der WM 2011 in Daegu Dritte.

Noch drei Medaillen für Russland am 12. Tag

Die Russin Jelena Sokolwa gewann im Weitsprung der Frauen mit 7,07 Meter die Silbermedaille. Olympiasiegerin wurde die zweimalige Weitsprung-Weltmeisterin Brittney Reese aus den USA, die 7,12 Meter weit sprang. Beide Athletinnen erzielten ihre Bestweite im zweiten Versuch. Mit 6,89 Meter sicherte sich die US-Amerikanerin Janay Deloach Bronze. Auf Platz fünf und sechs kamen die beiden Russinnen Anna Nazarowa und Ludmilla Kolschanowa mit 6,77 bzw. 6,76 Meter.

In der Gewichtsklasse bis 63 Kg im Freistilringen gewann die Russin Lubow Wolossowa die Bronzemedaille. Im Kampf um Platz drei besiegte sie die Polin Monika Ewa Michalik, Die Japanerin Kaori Icho hat als erste Ringerin zum dritten Mal in Folge Olympiagold gewonnen. Die 28-Jährige, die schon bei der olympischen Premiere 2004 in Athen und 2008 in Peking triumphiert hatte, setzte sich im Finale gegen Jing Ruixue aus China durch.

Im Taekwondo erkämpfte sich der russische Meister Alexej Denisenko in der Gewichtsklasse bis 58 Kilogramm die Bronzemedaille. Im Kampf um Bronze bezwang er den Australier Lee Daehoon. Der Olympiasieg ging an Joel Gonzalez Bonilla aus Spanien vor dem Südkoreaner Lee Daehoon.

Mannschaftssportarten gehen auf die Zielgerade

Das russische Basketball-Team der Männer hat es zum ersten Mal in seiner Geschichte ins Halbfinale bei Olympia geschafft. 1988 hatte die damalige Sowjetunion in Seoul Gold gewonnen. In einem angespannten Viertelfinalspiel gewann die Mannschaft von Trainer David Blatt mit 83:74 (17:10, 15:17, 22:23, 26:19) gegen Litauen. Bester Werfer im russischen Team war Andrej Kirilenko mit 19 Punkten. Für den dreimaligen olympischen Bronzemedaillengewinner Litauen traf Rimantas Kaukenas mit ebenfalls 19 Punkten am häufigsten. Russland hatte sich in der North Greenwich Arena Mitte des dritten Viertels bereits auf 14 Punkte abgesetzt (51:37), musste am Ende aber doch noch zittern. Zu Beginn des letzten Viertels verkürzten die Litauer auf einen Zähler (54:53), doch dann zog die russische Mannschaft wieder davon. Im Halbfinale werden die Russen gegen den Sieger des Spiels Frankreich – Spanien spielen.

Russlands Volleyball-Männer haben ebenfalls das Halbfinale des olympischen Turniers erreicht. Das Team von Trainer Wladimir Alekno besiegte im Volleyball-Tempel Earls Court Weltliga-Sieger Polen deutlich mit 3:0 (25:17, 25:23, 25:21) und steht damit in der Runde der besten Vier. Der Olympia-Dritte Russland trifft in der Runde der letzten Vier am Freitag auf Bulgarien.

Weitere Medaillen für Russland sind sicher

Vier russische Boxer haben auch bereits eine olympischen Medaille in ihren Gewichtsklassen erkämpft. David Airapetjan und Egor Mehontsew sind in das Halbfinale eingezogen, Nadeschda Torlopowa und Sofia Otschigawa stehen sogar schon im Turnierfinale.

Im Medaillenspiegel bleibt Russland noch auf Platz fünf.