Der dritte Platz im Medaillenspiegel ist das Ziel für Russland.

Der dritte Platz im Medaillenspiegel ist das Ziel für Russland.

London. Mit der feierlichen Eröffnungszeremonie werden heute um 22.00 Uhr (MEZ) in London die XXX. Olympischen Spiele offiziell eröffnet. Etwa 10.500 Athleten aus 204 Ländern werden bis zum 12. August in 302 Entscheidungen um Medaillen kämpfen. Russland ist mit 436 Sportlerinnen und Sportlern in der britischen Hauptstadt vertreten. Wie sind die Chancen für das russische Olympiateam?

London ist nach 1908 und 1948 zum dritten Mal Olympia-Gastgeber. Die Gesamtkosten der Spiele belaufen sich auf etwa 15 Milliarden Euro. Queen Elizabeth II. wird heute Abend im Olympiastadion die traditionellen Eröffnungsworte sprechen.

Die Zuschauer soll ein großes Spektakel während der Eröffnungsfeier erwarten. Die Hauptprobe vor 62.000 Zuschauern hat nicht viel an der Tatsache geändert, dass nur wenige Details der heutigen Zeremonie durchgesickert sind. Das größte Geheimnis bleibt die traditionell viel diskutierte Frage, wer das olympische Feuer entzünden wird.?

Ein paar Programmpunkte stehen aber trotzdem schon fest. Kurz nach Beginn der Zeremonie wird Königin Elizabeth II. im Olympiastadion eintreffen. Begrüßt wird sie vom Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge. Danach wird die Nationalhymne „God Save the Queen“ gesungen und die britische Flagge gehisst. Es folgt der Einmarsch der Sportler aus aller Welt und das olympische Feuer wird entzündet. Der Hauptteil der Zeremonie soll von dem geheimnisumwitterten künstlerischen Programm begleitet werden, welches von Filmregisseur Danny Boyle inszeniert wurde. Boyle wird dabei auf typische britische Symbole und Mythen gesetzt haben – auf Harry Potter, Mary Poppins, James Bond, Shakespeare, die Beatles und bestimmt auch auf Rowan Atkinson als Mr. Beam.

Russland kommt mit einem chancenreichen Team nach London

Russland entsendet 436 Sportler nach London – 208 Männer und 228 Frauen aus 59 Regionen des Landes. Die gesamte russische Delegation zählt insgesamt 805 Mitglieder.

Die russischen Sportler werden an allen Sportarten außer Fußball, Hockey, Wasserball und Herren-Handball teilnehmen. Die meisten russischen Athleten (104) werden in den Leichtathletik-Wettbewerben um Medaillen kämpfen.

Und gerade in der Leichtathletik sind auch die Erwartungen der russischen Nation am größten. Für Russland sind echte Leichtathletik-Größen am Start, wie zum Beispiel: Die zweimalige Olympia-Siegerin im Stabhochsprung – Elena Issinbajewa, die Weltmeisterin im Hochsprung – Anna Tschitscherowa, der Weltjahresbeste im Hochsprung – Iwan Uchow, die Weltmeisterin im Hammerwurf – Tatjana Lyssenko und die Olympia- und Weltmeister im Gehen – Valeri Bortschin und Olga Kaniskina.

Traditionelle Stärken von Russland

Traditionell stark sind die rhythmischen Sportgymnastinnen und die Synchronschwimmerinnen aus Russland. In diesen beiden Sportarten sollten Medaillen für russische Athletinnen vorgebucht sein. Die Olympia-Siegerin von 2008, Jewgenija Kanajewa, gilt weltweit als die beste Gymnastin und ist auch in London ganz oben auf dem Podest zu erwarten.

Die Ringer waren ein Stütze des russischen Olympia-Teams bei den Spielen 2008 in Peking. Dort gewann sie sechs von insgesamt 23 Goldmedaillen. Auch in London sind mit ihnen große Hoffnungen verbunden. Im Freistilringen sind der viermalige Weltmeister und Olympia-Dritte von Peking, Besik Kuduchow, der dreimalige Weltmeister Biljal Machow und der zweimalige WM-Gewinner Denis Zargusch die Hoffnungsträger.

Hinter der ehemals starken russischen Turnerriege steht noch ein Fragezeichen. In Peking 2008 wurden nur zwei Bronzemedaillen gewonnen. In den vergangenen vier Jahren wurde das russische Team aber fast komplett erneuert. Was dabei rausgekommen ist, bleibt in London abzuwarten. Hoffnungen sind aber gegeben, denn mit Viktoria Komowa (Stufenbarren) und Xenia Afanasjewa (Boden) sind zwei Weltmeisterinnen von Tokio 2011 am Start. Das Herren-Team will auf den dritten Platz in der Mannschaftswertung. Jeder der fünf russischen Turner kann auch an den Einzelgeräten um eine Medaille kämpfen.

Auch die russischen Gewichtsheber sollten stark nach Medaillen schauen. Alle zehn Teilnehmer (sechs Männer und vier Frauen) sind Medaillenanwärter. Im Damenwettbewerb sind Swetlana Zarukajewa und Nadeschda Jewstjuchina die größten Hoffnungsträgerinnen. Auch die Olympia-Zweite von Peking 2008 Oxana Sliwenko und Tatjana Kaschirina gehen nicht chancenlos an die Hantel. Unter den Männern werden dem 27-jährigen Chadschimurat Akkajew die größten Chancen auf einen Podestplatz eingeräumt. Nach seinem jüngsten WM-Triumph gehört er auch in London zu den Goldanwärtern.

Kampfsportarten sollten die Medaillenbilanz aufpolieren

 

Russlands Präsident Wladimir Putin, als bekennender Fan vom Judosport, erwartet gerade in dieser Kampfsportart eine reichliche Medaillenausbeute. Gerade vom mehrmaligen Welt- und Europameister im Schwergewicht Alexander Michailin wird erwartet, dass er um Gold kämpft. Weitere Judokas mit guten Chancen sind: Tagir Schaibulajew, Mussa Moguschkow und Elena Iwaschtschenko.

Zehn russische Boxer und Boxerinnen werden in London um Olympia-Medaillen kämpfen. Die Männer sind in sieben der insgesamt zehn Gewichtskategorien (außer bis 60, bis 64 und bis 75 Kilogramm) vertreten, die Frauen in allen drei Kategorien. Die besten Chancen haben der Weltmeister von 2011 Mischa Alojan und die WM-Medaillengewinner David Airapetjan und Magomed Omarow.

Im griechisch-römischen Ringen erwartet ganz Russland Medaillen von Hassan Barojew, der vor acht Jahren in Athen Gold gewann, sowie von Nachwuchsstar Roman Wlassow.

Wie sieht es mit den anderen Sportarten aus?

In den Schwimmwettbewerben sollte Russland auch die eine oder andere Medaille erwarten können. Genau festlegen kann man sich im Schwimmen aber noch nicht, da gerade die Konkurrenz aus den USA und auch der Gastgeber sehr stark und auch unberechenbar sind.

Auch bei den Sportschützen gehen russische Starter mit guten Medaillenambitionen in den Wettbewerb. Gute Chancen sollten hier Ljubow Galkina (10m Luftgewehr) eingeräumt werden – in Athen 2004 und Peking 2008 gewann sie jeweils die Silbermedaille. Weitere Medaillenanwärter in dieser Sportart sind der fünfmalige Olympia-Teilnehmer und Sieger bei den Spielen in Atlanta 1996 Artjom Schadschibekow, der dreimalige Olympia-Teilnehmer Wladimir Issakow sowie Alexej Klimow und Leonid Jekimow.

Im Tennis sollte die 25-jährige Maria Scharapowa die besten Aussichten haben, auf dem Podest zu stehen. Bei den Herren gibt es keinen Russen mit Medaillenchancen.

Optimismus in den Mannschaftssportarten

In den Mannschaftssportarten dürften die Russen vor allem beim Volleyball optimistisch sein. Unter Cheftrainer Wladimir Alekno hat das russische Herrenteam 2011 die World League und den World Cup gewonnen und gilt damit als einer der Goldfavoriten. Die russischen Volleyball-Damen dürfen auf den WM-Sieg 2010 aufbauen, auch wenn die vergangenen zwei Jahre für sie nicht besonders erfolgreich waren. Dennoch wird die Mannschaft von Trainer Sergej Owtschinnikow sicherlich zu den Favoritinnen zu zählen sein.

Das russische Damenteam im Wasserball hat bei den drei letzten Weltmeisterschaften die Bronzemedaille geholt. Auch bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gab es Bronze. Coach Alexander Kabanow und seine Schützlinge behaupten siegesgewiss, dass sie jeden Gegner bezwingen können – warten wir ab.

Eine Goldmedaille im Herren-Basketball dürfte für das russische Team ein Traum bleiben – der Titel geht zu 99 Prozent an die USA. Platz zwei oder drei wäre unter Trainer David Blatt aber durchaus möglich. Auch die Basketball-Damenmannschaft, Bronze-Gewinner von Athen 2004 und Peking 2008, gehört in London zu den stärksten Mannschaften.

Der dritte Platz im Medaillenspiegel ist das Ziel

Experten vermuten, dass russische Athletinnen und Athleten wahrscheinlich etwa 70 Medaillen bei den Olympischen Spielen in London gewinnen werden, die das Land dann auf die dritte Stelle im Medaillenspiegel bringen würde. Doch der Wettbewerb um den dritten Platz gegen das Gastland, Großbritannien, dürfte schwierig werden.

Der dritte Platz im Gesamt-Medaillenspiegel in London stünde auch im Einklang mit den hochgesteckten Erwartungen in Russland. Das Nationale Olympische Komitee sagte bereits, dass der Plan für das russische Team bei den Olympischen Spielen in London auf den dritten Platz im Gesamt-Medaillenspiegel ausgerichtet sei.