Der russische Fußballverband hat eine schwierige Aufgabe – Balance zwischen nationalen und internationalen Geschäft.

Der russische Fußballverband hat eine schwierige Aufgabe – Balance zwischen nationalen und internationalen Geschäft.

Moskau. Was ist Geld? Man hat es oder nicht – Ende! Zenit St. Petersburg und Anschi Machatschkala machen es in der russischen Premier Liga vor. Dieses trotz eines neuen Kontrollverfahrens der UEFA, welches dem Transfer-Wahnsinn ein Ende setzen soll.

Im September 2009 beschloss das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union im schweizerischen Nyon die Einführung eines Kontrollverfahrens, das dem finanziellen Wettrüsten im Fußball ein Ende setzen sollte. Europas Top-Clubs sollten sich ab dieser Saison auf eine strikte Prüfung ihrer Finanzen durch die UEFA einstellen.

Von der Saison 2012/13 an sollen die Ausgaben für Transfers und Gehälter die Vermögenswerte der Vereine nicht mehr überschreiten. Bei Verstößen sind Sanktionen bis zum Ausschluss aus der Champions League möglich. Im Juni 2012 stimmte das UEFA-Exekutivkomitee der Einrichtung einer UEFA-Finanzkontrollkammer für Klubs (FKKK) zu, die das UEFA-Reglement zur Klublizenzierung und zum finanziellen Fairplay überwachen soll.

Gehört Zenit nicht zur UEFA?

Soweit die Theorie. Was nützt dieses alles, wenn Vereinseinnahmen faktisch künstlich von milliardenschweren Sponsoren hochgeschraubt werden? Nichts! Der Beweis liegt jetzt wieder ganz klar auf der Hand.

Nach der spektakulärsten Shoppingtour der Vereinsgeschichte lacht Zenit St. Petersburg nur über solche Versuche der UEFA, um den Transfer-Wahnsinn einzudämmen oder sogar zu unterbinden. Irgendetwas zwischen 80 und 100 Millionen Euro (nicht Rubel!) hat Zenit jetzt für zwei Fußballspieler auf den Tisch gelegt.

Der Verein an der Mündung der Newa ließ sich den Transfer des brasilianischen Fußball-Nationalspielers Hulk angeblich mindestens 40 Millionen Euro kosten. Unbestätigten Medienberichten vom Dienstag zufolge könnte der FC Porto sogar bis zu 60 Millionen Euro für den 26-Jährigen kassieren. Zenit komplettierte seinen Kaufrausch am Montagabend mit der Verpflichtung des Belgiers Axel Witsel von Benfica Lissabon. Auch für den Mittelfeldspieler soll der Club angeblich 40 Millionen Euro Ablöse bezahlt haben.

Geld spielt keine Rolle: Wir haben es doch, Dank an unserem Finanzpartner dem Staatskonzern Gazprom. Was interessiert uns da die UEFA mit ihren Verfahren? So die Meinung des neuen Sportdirektors von Zenit, Dietmar Beiersdorfer, und des Zenit-Präsidenten Alexander Djukow.

„Die Neuverpflichtungen entsprechen unseren Ambitionen. Bereits in den vergangenen Jahren haben wir modernen Fußball gezeigt – jetzt stecken wir uns auch international höhere Ziele“, sagte Djukow.

„Sie sind meine Wunschspieler“, sagte Trainer Luciano Spalletti nach Bekanntwerden der Millionen-Deals, die er laut russischen Medienberichten vor allem den Bemühungen des neuen Sportdirektors Dietmar Beiersdorfers zu verdanken hat. Der frühere Manager des Hamburger SV (2002 bis 2009) soll entscheidenden Anteil daran haben, dass der unter anderem vom Champions-League-Sieger FC Chelsea umworbene Hulk künftig in Rubel und nicht in englischen Pfund bezahlt wird. Der ehemalige Bundesligaprofi, der für den HSV, Werder Bremen und den 1. FC Köln spielte, hatte bis April 2011 als sportlicher Leiter den Fußballbereich des Getränkekonzerns Red Bull verantwortet. Erst Ende August gab Zenit die Verpflichtung des 48-Jährigen bekannt.

Russischer Rechnungshof kritisiert diese Praktiken

 

Wenig Verständnis für diese Transfers hat dagegen der Chef des russischen Rechnungshofs, Sergej Stepaschin. „Unser Fußball steuert auf eine Zweiklassen-Gesellschaft hin und braucht vielleicht eine finanzielle Obergrenze für Spielerwechsel“, sagte Stepaschin nach Angaben der Agentur Interfax. Der Rubel soll nicht mehr so rollen wie bisher.

Trotzdem plant jetzt der russische Fußballmeister Zenit St. Petersburg, mit den Millionen von Gazprom, den Großangriff in der Champions League zu starten. Dieses mag ja auch für den russischen Fußball im internationalen Geschäft noch akzeptabel sein, aber darunter leiden viele andere kleinere Mannschaften in der russischen Fußballliga, wie zum Beispiel Amkar Perm, Wolga Nischni Nowgorod usw.

Zuletzt hatte Zenit 2008 im Finale gegen die Glasgow Rangers den UEFA-Cup gewonnen. In der Gruppenphase der Königsklasse sind ab Mitte September der AC Mailand, RSC Anderlecht und FC Malaga die Gegner von Zenit auf dem Weg in die nächste Runde.

Bleibt nur die Hoffnung, da die UEFA ja inkompetent erscheint, dass der neue Präsident des russischen Fußballverbandes, Nikolai Tolstych, einen vernünftigen Kompromiss zwischen nationales und internationales Fußball-Geschäft findet, damit die finanziell nicht so gut gestellten Fußball-Vereine in Russland auch eine Überlebenschance erhalten.