Hier geht es lang und so wird es gemacht, scheint Fabio Capello zu sagen.

Hier geht es lang und so wird es gemacht, scheint Fabio Capello zu sagen.

Moskau. Nach nur zweimonatiger Tätigkeit kann der neue Nationaltrainer der russischen Fußballnationalmannschaft Fabio Capello einen gelungenen Einstand feiern. In beiden Qualifikationsspielen zur WM 2014 gab es unter seiner Regie nur Siege. Dieses ist der beste Beginn einer Zusammenarbeit mit dem russischen Fußballverband (RFS) eines ausländischen Cheftrainers.

In kürzester Zeit hat der Italiener Fabio Capello der Sbornaja ein neues Antlitz gegeben. Nachdem Capello die Mannschaftsaufstellung für das erste WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland (2:0) bekannt gab, war der Aufschrei groß. Es fehlten viele bekannten Stammspieler: Arschawin, Pogrebnjak, Schirkow und Pawljutschenko wurden gnadenlos aussortiert.

Capello begründete dieses: „Wenn Fußballer für ihre Clubs wenig Engagement zeigen, müssen sie nicht damit rechnen, in die Nationalelf aufgenommen zu werden.“ Da diese genannten Streichkandidaten allesamt in der englischen Premier-Liga spielen und Capello vor seinem Arrangement in Russland lange Cheftrainer der englischen Nationalmannschaft war, ist er bestens mit den Eigenwilligkeiten der russischen Legionäre vertraut.

Disziplin lautet jetzt das Zauberwort

Und einige russische Fußballspieler sind bekannt für ihre eigenen Vorstellungen vom Fußball. Was geschah danach? Arschawins Bauch wurde flacher, Pogrebnjaks Frechheit verschwand, Schirkows Düsterheit und Pawljutschenkos Nonchalance ebenso. Auch die Verjüngung der Mannschaft durch Capello hatte ihren Erfolg und tat der Sbornaja nur gut.

Der Italiener ist auch für seine Stränge, Disziplinverlangen und Weitsicht bekannt. So verwunderte es auch nicht weiter, dass der RFS auf einmal von seinem beschaulichen Tempo zu einer erstaunlichen Geschäftsemsigkeit fand. Erstaunlich ist nur, dass dieses ein Italiener dem RFS beibringen musste.

Capello verlangt von seinen Spielern, ohne Ausnahme, dass zu jedem Frühstück, Mittagessen und Abendbrot gemeinsam und vollzählig angetreten wird – vorzeitiges aufstehen vom Esstisch ist verboten. Kein Spieler darf mehr einem Journalisten eine Absage erteilen, wenn er für diesen Tag zur Interviewvergabe eingeteilt wurde.

Unter Capellos Regie hat sich die russische Fußball-Nationalmannschaft auch zu einem Vorzeigeprodukt in Punkto Pünktlichkeit entwickelt. Das Zeitmanagement von Capello wurde nur einmal nicht einhalten, und dieses Unfreiwillig – als der Mannschaftsbus in Tel-Aviv im Stau stand und das Training vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Israel (4:0) sich um 15 Minuten verzögerte.

Prämiensystem strenger

Über das Prämiensystem der russischen Nationalspieler ist nicht viel bekannt. Wie hoch die Prämien in der Sbornaja sind, ist in Russland ein Geheimnis. Bekannt wurde aber, dass seit Capellos Amtsantritt einige Veränderungen vollzogen wurden. Die Prämien werden jetzt in zwei Teilen ausbezahlt. Kleinere Prämien erhalten die Spieler nach jedem Match, der Hauptteil wird aber nur ausbezahlt, wenn das große Ziel „WM-Teilnahme“ erreicht wird. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass das neue Prämiensystem von Capello durchgesetzt wurde.

Der Ex Sbornaja-Coach Dick Advocaat ließ immer verlauten, dass er sich nicht in die Prämienverhandlungen zwischen Spielern und RFS einmische. Hier weht jetzt unter Capello ein anderer Wind.

Spielsystem umgestellt

Fabio Capello stellte auch das taktische „4-3-3“ Spielsystem von Dick Advocaat in ein „4-5-1“ System um, teilweise wurde auch noch im „4-4-2“ gespielt. Auch Alan Dsagojew steht nicht nur im Mittelfeld, sondern agiert eher als zweite Sturmspitze.

Keinem Spieler ist sein Platz in der Nationalmannschaft mehr sicher. Ist Bystrow verletzt, wird der eigentlich als rechter Mittelfeldspieler agierende Samedow für ihn eingesetzt. Hat Anjukow einen schlechten Tag erwischt, wird er durch Andrej Jeschtschenko ersetzt. Bei Don Fabio sind alle 23 Mitglieder der Nationalelf vollwertige und einsetzbare Spieler, und nicht nur die oben genannten Streichkandidaten, wie noch unter Advocaat. Weiterhin wurden auch die beiden jungen Spieler Kokorin und Kombarow erfolgreich ins Team integriert.

Von dieser „neuen“ russischen Fußballnationalmannschaft und ihrem Cheftrainer sind ganz bestimmt in der Zukunft noch sehr gute Spiele zu erwarten und ein Erreichen der Fußball-WM 2014 in Brasilien.