Kiew. Das hat eingeschlagen – nur wenige Tage vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft hat gestern der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Leonid Tschernowezki, sein Amt hingeschmissen. Vitali Klitschko, der WBC-Schwergewicht-Weltmeister und Vorsitzende der ukrainischen Partei UDAR, könnte jetzt sein Nachfolger werden.

Der Rücktritt von Leonid Tschernowezki, als Bürgermeister von Kiew, ist jetzt die Chance für Oppositionspolitiker Vitali Klitschko, endlich das begehrte Amt in der ukrainischen Hauptstadt zu erhalten. Bereits 2006 und 2008 hatte sich Klitschko den Wahlen zum Bürgermeister von Kiew gestellt.

Im Jahr 2006 war Vitali Klitschko mit 29 Prozent der Stimmen Zweiter hinter Leonid Tschernowezki (34%) geworden. Zwei Jahre später wurde Klitschko Dritter, im Amt wurde wieder Tschernowezki bestätigt.

Er wolle eine neuerliche Wahl nicht verzögern, sagte Tschernowezki in einem am Samstag veröffentlichten Schreiben. Der 40-jährige Vitali Klitschko darf jetzt nach Umfragen auf einen Sieg hoffen. Ein Termin für die Wahl steht noch nicht fest.

Der Bürgermeister in Kiew erfüllt eine rein repräsentative Funktion, während der Chef der Stadtverwaltung die administrative Tätigkeit ausübt. Die Kiewer „staatliche Stadtverwaltung“ leitet Alexander Popow.

Bereits im Februar dieses Jahres hatte Berndt Bente, Manager der Brüder Klitschko, angekündigt, dass der ältere Bruder Vitali seine sportliche Karriere möglicherweise beendet, wenn er zum Kiewer Bürgermeister gewählt werden würde.

Im April 2010 wurde Vitali Klitschko zum Vorsitzenden der neu gegründeten Partei „Ukrainische demokratische Allianz für Reformen“ (UDAR) gewählt.

Vitali Klitschko verlor vor Gericht

Dabei hatte Vitali Klitschko am Freitag erst eine Niederlage vor Gericht gegen Leonid Tschernowezki einstecken müssen. Laut Gerichtsbeschluss darf Vitali den Bürgermeister von Kiew nicht als Dieb bezeichnen.

Der Box-Weltmeister soll laut ukrainischen Medienberichten Leonid Tschernowezki vorgeworfen haben, für den Verlust von sieben Milliarden Euro mitverantwortlich zu sein.

Klitschkos Anwalt erklärte: „Vitali Klitschko habe nicht den Bürgermeister persönlich gemeint, sondern allgemein die Verhältnisse in der Ukraine kritisiert.“ Das Gericht in Kiew sah dieses anders und verurteilte Klitschko zu einer Unterlassung, berichteten ukrainische Medien.