Berlin. Der im russischen Jeisk geborene Robert Stieglitz hat heute Nacht seinen WBO-Box-Weltmeistertitel im Supermittelgewicht nach 12 Runden und einem 1:2-Punkturteil gegen den in Armenien geborenen Arthur Abraham verloren. Beide Boxer lieferten einen Boxkampf, vor 7.500 Zuschauern in Magdeburg, der das Prädikat „weltklasse“ verdient hat – bis zum Ende war völlig unklar, wer den Ring als Sieger verlässt. Die „Abwarte-Taktik“ von Abraham war aber das erfolgreichere Rezept für diesen WM-Kampf.

Profiboxer Arthur Abraham kann sich wieder Weltmeister im Supermittelgewicht nach Version der WBO nennen. Der 34-Jährige, der in Berlin lebt, bezwang den zwei Jahre jüngeren Titelverteidiger Robert Stieglitz mit 2:1-Punktrichterstimmen: Michael Pernick (USA) 113:112 für Stieglitz, Paul Thomas (England) 115:110 für Abraham, Clark Sammartino (USA) 114:111 für Abraham.

 

In der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt lieferten sich beide Boxer in der Nacht zum Sonntag einen harten Kampf über die volle Distanz von zwölf Runden. Doch die Kampfplanung von Abraham war die erfolgreichere. Abraham behielt zu jeder Zeit die nötige Ruhe und ließ Stieglitz immer wieder mit seinen Aktionen ins Leere laufen. „Stieglitz war viele Runden aktiv, aber meine harten Treffer waren entscheidend“, sagte Abraham nach dem Kampf.

Sein Team tat alles für den Sieg, denn es wurde Betrug gewittert – gab Abraham nur Wasser aus verschlossenen, selbst mitgebrachten Flaschen zu trinken. Beim offiziellen Wiegen vor dem WM-Kampf lag Abraham sein Gewicht zweimal über der gültigen Grenze fürs Supermittelgewicht. Seine Erklärung: An der Waage soll manipuliert worden sein. „Eine Frechheit“, tobt Abraham.

Nach dem WM-Kampf sprach der in Magdeburg lebende Stieglitz von Manipulation: „Diese Entscheidung kann ich nicht erklären. Meiner Meinung nach habe ich nach Punkten gewonnen. Das kann ich nicht verstehen, ich sehe mich als Sieger. Ich habe sicherlich ein paar Runden verloren, aber nicht den ganzen Kampf.“

Kein K.o., kein vorzeitiges Kampf-Ende. Doch 20 Sekunden vor Ende hatte Abraham Stieglitz auf die Knie geschickt. Spätestens nach diesem Niederschlag in der zwölften Runde hatte Abraham aber die Weichen in Richtung auf seinem Sieg gestellt gehabt.

Die beiden Trainer äußerten nach dem Kampf: „Es war ein knappes Ding, ein toller Fight“, sagte Abraham-Trainer Ulli Wegner, „über die Wertung will ich nichts sagen.“ Sein Gegenüber, Stieglitz-Trainer Dirk Dzemski, sagte: „Das war ein klares Fehlurteil. Der englische Ringrichter gibt die ersten fünf Runden alle an Arthur, das ist eine Schande.“

Es war jedenfalls ein toller Kampf bis zum Ende. Es sah lange gut aus für den Weltmeister. Stieglitz war der aktivere Boxer, seine Fäuste prasselten oft auf Abraham ein. Doch der 34-Jährige zeigte sich als Taktik-Fuchs, lauerte auf seine Chancen und nutzte diese auch absolut resolut.

Große Freude gab es auch bei Wilfried Sauerland. Abrahams Promoter feierte am Sonnabend seinen 74. Geburtstag. Abrahams Sieg nahm er da gern als Geschenk an. „Das war mein größter Geburtstagswunsch, ich freue mich, dass Arthur ihn erfüllt hat“, sagte Sauerland.

Abraham und Stieglitz hatten sich zuvor bereits zweimal gegenübergestanden. Im ersten Vergleich im August 2012 hatte Abraham nach Punkten gewonnen. Gegen Stieglitz hatte Abraham den Titel danach im März vergangenen Jahres wieder verloren. Seinerzeit war der Kampf wegen eines zugeschwollenen Auges bei Abraham nach der dritten Runde abgebrochen worden.

Eine vierte Auflage dieses Duells schlossen beide nicht aus. „Ich wäre bereit“, sagte Stieglitz. Und auch Abraham kann sich eine Neuauflage vorstellen: „Ich bin jederzeit bereit, gegen ihn zu kämpfen.“