Sotschi. In Russland werden die Medaillenhoffnungen bei den XXII. Olympischen Winterspielen in Sotschi relativ bescheiden beziffert. Eine genaue Medaillenvorgabe, wie anderen Ländern, gibt es in Russland nicht. Sportminister Witali Mutko gab einen Top-Fünf-Platz im Medaillenspiegel als Ziel aus. „Man darf keine Wunderdinge erwarten“, erklärte Mutko. Das mit Abstand wichtigste Gold für Russland ist aber zweifelsohne jenes im Eishockey. Besonders prestigeträchtig sind für Russland aber auch die Entscheidun- gen im Eiskunstlauf, Langlauf und Biathlon.

„Nur in fünf der Olympischen Sportarten ist Russland traditionell erfolgreich“, merkte Mutko an. Insgesamt 230 Sportler in elf Sportarten wird Russland in die verschiedenen Wettkämpfe schicken.

In Sportarten wie Bobfahren habe man aus technologischen und wissenschaftlichen Gründen einen zu großen Rückstand, um ganz vorne mitzufahren. Aber eines versprach Mutko seinen Landsleuten: „Wir werden uns am Ende von Olympia nicht schämen müssen.“

 

Und da steht das Eishockey-Turnier ganz oben bei den russischen Verantwortlichen und den russischen Fans.

„Wenn wir im Eishockey Gold holen, dann wird man bei uns im Land die Olympischen Spiele als Erfolg ansehen. Wenn nicht, dann werden alle enttäuscht sein“, sagt der Eishockeyexperte Igor Gurfinkel von der Sportzeitung „Sport Tag für Tag“.

Die Sbornaja rund um die Superstars Malkin, Owetschin, Dazjuk und Kowaltschuk hat also eine schwierige Aufgabe vor sich, sie soll es den Kanadiern nachmachen, die vor vier Jahren im eigenen Land in Vancouver Gold erobert hatten. Russland wurde bei den Spielen in Vancouver nur Sechster.

Aber in dieser Mannschaftskonstellation könnte auch ein Problem begründet sein: Der Unterschied zwischen den großen Stars und den jungen Spielern ist sehr groß. Dem großen Druck, gerade vor eigenem Publikum und den hohen Erwartungen dieser, halten in der Regel nur erfahrene Spieler stand.

Der ehemalige russische Ex-Eishockey-Nationalspieler und heutiger Fernseh-Kommentator Sergej Gimajew ist der Meinung: „Ins Halbfinale werden sie es schaffen, danach muss man abwarten.“ Auch der russische Sportjournalist Igor Gurfinkel dämpft die Erwartungen, er kritisiert, dass die russische Mannschaft nicht genügen eingespielt ist: „Die Spieler kommen aus vielen verschiedenen Mannschaften und anders als Spieler in den USA oder Kanada sind sie nicht daran gewöhnt sich schnell zu einem Team zusammenfinden zu müssen“, so Gurfinkel.

In der Gruppenphase spielt Russland bereits gegen die USA. Ein machbarer Gegner? Gerade gegen die USA verlor Russland bei der Eishockey-WM 2013 im Viertelfinale mit 3:8. Weitere Stolpersteine für die Sbornaja könnten aber auch Kanada und die Mannschaften aus Finnland, aus Schweden und aus Tschechien werden und dem russischen Eishockeyteam jederzeit ein Aus im olympischen Turnier bescheren. Auch diese Teams können zu den Favoriten gezählt werden.

Am 23. Februar werden alle Eishockey-Fans und Zuschauer schlauer sein, dann steigt im Großen Eispalast in Sotschi das Eishockey-Finale der Männer.