Doping ist kein russisches Phänomen.

Doping ist kein russisches Phänomen.

Berlin. Was kennt der interessierte Leser und Zuschauer, von deutschen Medien, über ach doch so große Dopingvorwürfe gegen russische Athleten und Verantwortliche? Sehr viel! Diese reichen von angeblichen massiven Behinderungen der Anti-Doping-Agenturen, über „Nachlässigkeiten“ der russischen Behörden gegenüber illegalen Doping-Aktivitäten, bis hin zu „Russland stellt Doping-Rekorde auf“. Sind diese Darstellungen realistisch? Kann mit Hilfe dieser Medien von eigenen Problemen abgelenkt werden?

Ja – es kann abgelenkt werden! Es ist an allen Doping-Vorwürfen gegen russischen Athleten und Verantwortliche einiges Wahres, wenn auch nicht in vollem Umfang. Vor allem fehlt aber meistens eine eingehende Analyse über Hintergründe die zum Doping führen.

Doping ist kein russisches Phänomen

Allgemein kann man sagen: Doping bedeutet das ein Sportler verbotene Medikamente einnimmt oder anwendet und dadurch eine unfaire und nicht trainingsbedingte Leistungssteigerung bewirkt. Mit anderen Worten – es ist das Eingeständnis der Schwäche des Athleten sowie der Inkompetenz des Trainers, den Sportler ohne Doping weiter zubringen. Dieses geschieht auf der ganzen Welt täglich und nicht nur in Russland.

Meistens werden ethische, juristische, medizinische und sportliche Gründe genannt. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Gesichtspunkte werden in diesem Zusammenhang kaum erwähnt. Dieses, obwohl es doch hauptsächlich um das liebe Geld geht und dieses in jedem Sportverband und in jeder Sportart auf der Erde.

Der Hintergrund des Dopings ist auf einer Ebene komplexer internationaler gesellschaftlicher Konstellationen angesiedelt und dieses ist ein internationales Erscheinungsbild und nicht nur für Russland spezifisch. Sponsoren geben Geld in den Sport um das wirtschaftlich Wichtige mit Hilfe sportlicher Akteure zu steigern. Der Sport ist nicht nur ein attraktives Werbemedium sondern auch ein interessanter Absatzmarkt für Konsumgüter. Die Sponsoren investieren dort, wo ihrem Erachten nach der größte Nutzen erzielt werden kann und dazu zählt nun mal auch der russische Markt.

Entscheidend ist, dass auch diejenigen Akteure, von denen der Erfolgsdruck ausgeht, diesen nicht einfach abstellen können. Auch sie handeln nicht aus freien Stücken und regen nicht mutwillig zu Normverstößen an, sondern unterliegen ihrerseits strukturellen Zwängen.

Letztlich handelt jeder Akteur aus seiner Sicht völlig rational – internationale Wirtschaftsunternehmen wollen mit dem Spitzensport werben und Produkte verkaufen, staatliche Instanzen wollen Nähe zum Sportpublikum herstellen, Politiker auf dem ganzen Globus sind darauf aus die eigene Wählbarkeit zu steigern und das Publikum will an spannenden Sportereignissen teilhaben. Das Resultat des Zusammenwirkens all dieser nachvollziehbaren und legitimen Interessen ist die Antwort auf die Frage: Warum Doping. Und dieses ist kein Phänomen des russischen Sports allein sondern geschieht täglich überall auf der Welt.

Studie der Deutschen Sporthilfe über deutsche Sportler

Jetzt ist eine Studie der Deutschen Sporthilfe, von der Deutschen Sporthochschule in Köln durchgeführt, bekannt geworden, die schockierende Zustände im deutschen Spitzensport aufdeckt. Doping, psychische Probleme und Manipulationsversuche sind demnach fast alltäglich in Deutschland. Dieses meldet die dpa.

Eine anonyme Erhebung unter 1.154 deutschen Spitzenathleten ergab, dass fast ein Drittel aller Befragten unter diesen Problemen leiden. Fast jeder zehnte befragte Spitzensportler, genau 8,7, gaben an, schon einmal an Absprachen über den Spiel- oder Wettkampfausgang beteiligt gewesen zu sein. 5,9 Prozent der Sportler räumten die regelmäßige Einnahme von Dopingmitteln ein.

79,8 Prozent der Athleten verspüren Druck aus dem Umfeld, Existenzängste werden von 57,7 Prozent als Grund für Fehlverhalten im Sport angegeben. Der Erfolgsdruck ist nach Aussage der Athleten (88,6) aber der größte Parameter für Dysfunktionen.

Da bleibt doch nur noch die Frage, warum kehrt man nicht in Deutschland erst einmal vor der eigenen Tür, bevor man andere Länder und speziell Russland ständig anprangert? Weil man damit doch so wundervoll von den eigenen Problemen ablenken kann!

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