Igor Denissow – ehrlicher Kämpfer für seine russischen Vereinskollegen oder raffgierig?

Moskau. Dass teure Transfers nicht immer Erfolg bringen beweist gerade der russische Fußball-Meister Zenit St. Petersburg. Bei Zenit hängt der Haussegen schief, weil die Millionenen-Transfers Hulk und Axel Witsel einen tiefen Graben in die Mannschaft gerissen haben. Trainer Luciano Spalletti und Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer stehen jetzt in der Kritik.

Mit einer Investitionssumme von rund 80 bis 100 Millionen Euro, für nur zwei Profi-Fußballer, wollte der deutsche Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer mit Zenit zum Angriff auf die Champions League blasen. Die Verpflichtung vom Brasilianer Hulk und dem Belgier Axel Witsel brachte aber in St. Petersburg mehr Unruhen als Erfolg. Die Mannschaft ist gespalten und Trainer Luciano Spalletti steht unter Druck genau wie Beiersdorfer.

Der amtierende russische Meister ist in etlichen Mannschaftsteilen gespalten. Vor allem Kapitän Igor Denissow forderte Respekt für die russischen Spieler bei Zenit und auch mehr Geld für sich selber. Als erste Reaktion stellte der Verein den Mittelfeldspieler als geldgierig dar, und verbannte ihn zusammen mit Torjäger Alexander Kerschakow ins Nachwuchsteam von St. Petersburg.

Beiersdorfer lernt nicht

In der Champions League gab es für Zenit im Auftaktspiel eine derbe 0:3-Niederlage beim spanischen Verein Malaga FC, in der Premier-Liga rutschte der Titelverteidiger und Topfavorit auf Rang fünf ab. „In der Mannschaft herrscht Unruhe“, räumte auch Spalletti ein.

Beiersdorfer hatte schon während seiner Zeit beim österreichischen Verein Red Bull Salzburg die Erfahrung machen müssen, dass der Erfolg auf europäischer Ebene kurzfristig nicht käuflich ist. Er tat auch in Salzburg hochkarätige Verpflichtungen wie – Gonzalo Zarate, David Mendes da Silva, Antonio Joaquin Boghossian, Alan und Douglas da Silva. Alle brachten Red Bull unter Trainer Huub Stevens zwar den Meistertitel ein, international spielte der Verein aber keine Rolle. Nach eineinhalb Jahren war die Ära Beiersdorfer bei Red Bull Salzburg im April 2011 beendet. Jetzt droht dem deutschen Sportdirektor von Zenit das gleiche Schicksal an der Newa.

In St. Petersburg eskalierten die internen Streitereien, als Denissow sich am vergangenen Wochenende weigerte, im Ligaspiel bei Krylja Sowjetow Samara (2:2) aufzulaufen. Der Spieler habe eine immense Gehaltsaufbesserung verlangt, teilte Zenit mit. „Denissow hat aber einen der besten Verträge in Russland“, sagte Zenit-Generaldirektor Maxim Mitrofanow der russischen Sport-Zeitung „Sport Express“.

Denissow soll angeblich drei Millionen Euro pro Jahr verdienen. Es gehe aber vorrangig nicht um ihn allein, sagte Denissow – er verstehe sich als Vertreter der russischen Spieler, „auf die Zenit immer angewiesen ist“. Deren Gehälter müssten auf das Niveau der ausländischen Stars angehoben werden. „Sind die Neuen soviel besser als die aktuellen Führungsspieler, dass sie dreimal mehr verdienen sollen?“, fragte Denissow. Dieses „Ungleichgewicht“, das der 28-jährige Denissow beklagt, hat auch Dietmar Beiersdorfer zu verantworten.

Der neue Sportdirektor war erst vor kurzem für seine beiden teuren Neuverpflichtungen auf dem Transfermarkt gefeiert worden. Nun wird er scharf kritisiert – der Vereinsführung gehe es offenbar nur um kurzfristigen sportlichen Erfolg, schreibt die russische Fachpresse. Die Zenit-Verantwortlichen stehen aber schon lange im Ruf, impulsive Entscheidungen zu treffen. Jetzt wackelt auch Trainer Spalletti, ausgerechnet vor dem Spitzenspiel gegen Lokomotive Moskau. Eine schnelle Lösung des Konflikts ist so nicht zu erwarten.

Igor Denissow hat in der Zwischenzeit Rückendeckung vom neuen Nationaltrainer Russlands Fabio Capello bekommen. Spallettis Landsmann kündigte an, den bei Zenit suspendierten Spieler weiter zu berufen, den er unlängst auch zum Kapitän der Sbornaja ernannt hatte. Angeblich bemüht sich der FC Liverpool intensiv um Denissow. Zenit habe als Ersatz den Niederländer Kevin Strootman von PSV Eindhoven im Visier, berichtete die Zeitung „Iswestija“. Hulk aber sitzt zwischen den Stühlen. Eine Bitte des Stürmers zum Gespräch lehnten die alteingesessenen Spieler ab.

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