Moskau. Wieder einmal haben sogenannte „Fans“ den Fußball in Russland in Verruf gebracht. Das Stadtderby im russischen Pokalwettbewerb zwischen Torpedo und Dynamo Moskau musste am Mittwochabend beim Stand von 2:1 für Dynamo wegen heftiger Ausschreitungen in der 51. Minute abgebrochen werden.

In der Runde der letzten 32 Mannschaften im russischen Fußball-Pokal trafen Dynamo Moskau, mit dem ehemaligen deutschen Nationalstürmer Kevin Kuranyi, und Torpedo Moskau aus der 1. Division (analog zu der deutschen 2. Bundesliga) im Eduard-Strelzow-Stadion von Torpedo aufeinander.

Bereits vor dem Spiel trafen beide Fan-Lager aufeinander und lieferten sich ausgedehnte Straßenschlachten. Dabei nahm die Polizei rund 20 Personen fest. Unerklärlich bleibt, warum das Pokal-Derby nach diesen ersten bösen Vorkommnissen überhaupt angepfiffen wurde.

In der 30. Minute musste Schiedsrichter Arslanbekow das Spiel dann auch das erste Mal unterbrechen und beide Teams auffordern die Kabinen aufzusuchen, da die Sicherheit der Akteure auf dem Feld nicht mehr geboten werden konnte. Auslöser für diese Spielunterbrechung war ein Feuerwerkskörper im Dynamo-Strafraum, der aus der Torpedo-Kurve kam. In diesen ersten 30 Minuten waren schon mehrere Rauchbomben und pyrotechnische Erzeugnisse gezündet worden. Fußball und Gewalt sind in vielen Fußball-Stadien in Russland leider eine untrennbare Einheit geworden.

Die beiden Mannschaftskapitäne versuchten danach die beiden „Fangruppen“ zu beruhigen. Als die Schiedsrichter glaubten, dass dieses gelungen sei wurde das Match fortgesetzt. Es war aber leider ein großer Irrtum – der Mopp ließ sich nicht beruhigen.

Endgültiger Abbruch in der 51. Minute 

Als Torpedo kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit auf 1:2 verkürzen konnte, eskalierte die ganze Angelegenheit endgültig. Der „Torpedo-Anhang“ verwüstete den Spielrasen in ein Schlachtfeld – unzählige Feuerwerkskörper wurden gezündet und flogen auf das Spielfeld. Damit war es unmöglich geworden ein reguläres Spiel fortzuführen und der Schiedsrichter musste endgültig abbrechen.

Torpedo-Torschütze Denis Bojarinzew sagte: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Das ist eine Schande.”

Experten erheben schwere Vorwürfe gegen den Verband und die Clubs. „Niemand kümmert sich darum“, sagte der Ex-Nationalspieler (für die Sowjetunion) Jewgeni Lowtschew. Die Sport-Experten fordern jetzt höhere Strafen für Anhänger und Vereine bis hin zu lebenslangen Stadienverboten oder Punktabzügen. „Grundsätzlich ist Rassismus in Russland das Ergebnis fehlender Fanarbeit“, sagte der Sportjournalist Juri Sokolow gegenüber der Agentur Rosbalt. „Die Fans machen auf den Rängen, was sie wollen.“

RFS muss endlich reagieren

Jetzt ist der russische Fußballverband (RFS) gefordert. Eine Disziplinarkommission des RFS soll die Verursacher ausfindig machen – die auf Torpedo-Seite zu suchen sein dürfen. Danach wird es drastische Strafen hageln, mit Geldbußen und sogar bis zum Pokalausschluss.

Nikolaj Tolstoj, Präsident des russischen Fußballverbandes RFU, erklärte, dass „die Geschehnisse nun ausführlich durch die zuständigen Gremien geprüft” werden. Ob das Spiel wiederholt wird, ist noch unklar.

Der RFS ist aber auch gefordert, endlich die Gesetze so zu verschärfen, dass solche Idioten einfach keine Chance mehr erhalten überhaupt ein Fußballstadion oder eine andere Sportstätte zu betreten.

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