Stuttgart. Im Hinspiel der Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League verlor der krisengeschüttelte Verein Dynamo Moskau mit 0:2 (0:0) beim VfB Stuttgart. Schlechtes Spiel von beiden Seiten, optimale Ausbeute für den VfB. Dynamo zeigte offensiv, warum sie national derzeit mit einem Torverhältnis von 1:11 punktlos Letzter ihrer Liga sind. Vedad Ibisevic erzielte beide Tore für die Stuttgarter.

Was gab es Interessantes in der ersten Halbzeit? Nicht viel, dass Spiel begann mit Abtasten und Abtasten und endete nach 45 Minuten mit Abtasten. Von dem schnellen Spiel, welches beide Mannschaften vor der Partie ankündigt hatten, war nicht wirklich viel zu sehen. Hinzu kam, dass durch die dichte Staffelung von Dynamo die Abspiele beim VfB schwer waren.

In der 13. Minute spielte auch endlich einmal der Kapitän von Dynamo, der 52-fache deutsche Nationalspieler Kevin Kuranyi, mit. Doch beim Versuch die Flanke mit dem Kopf zu verarbeiten, nutzte der Angreifer die Arme und erhielt somit ein Stürmerfoul gegen sich. Aber Dynamo war im VfB-Strafraum und damit weiter als der VfB bis dahin.

In der 38. Minute war das Spiel für den ehemaligen VfL Wolfsburg Spieler Zvjezdan Misimovic beendet. Er wurde vom neuen Dynamo Coach Dan Petrescu gegen Igor Semschow ausgewechselt. Warum der 57-fache russische Nationalspieler Semschow nicht zur Startformation von Dynamo gehört hatte, wird Petrescu sein Geheimnis bleiben.

Es war wirklich eine mehr als mäßige Partie und Stuttgart versäumte dabei den Gegner unter Druck zu setzen. Doch wie sollte das geschehen, wenn das Team aus Moskau exakt darauf ausgerichtet war und alles dicht stellte? Bei diesem Sommerkick in Stuttgart, wo alles zu statisch war, hatte der Schiedsrichter den besten Job: Nicht viel zu tun, etwas Bewegung und das war es – besser als alleine im Wald zu joggen.

Eben ein echter Sommerkick – der VfB zu statisch, zu zaghaft, zu wenig auf Risiko bedacht und Moskau machte einen auf Chelsea (gegen FC Bayern München im Champions-League-Finale) – hinten den Dampfer parken und vorne möge der liebe Gott helfen. Es war kein Spiel zum Abgewöhnen, aber auch kein gutes Fußballspiel. Mit diesem langweiligen 0:0-Unentschieden ging es dann auch in die Halbzeitpause. Leidtun konnten einen nur die 20.400 zahlenden Zuschauer in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart.

Zweite Halbzeit

In der zweiten Halbzeit setzte sich zunächst das Spiel von den ersten 45 Minuten fort. Dynamo wirkte aufgrund ihres desaströsen Saisonstart in der Premier-Liga ziemlich verunsichert. Die Moskauer Spieler trauten sich nicht beherzt anzugreifen, was das Spiel für die Hausherren noch leichter machte, da man unbedrängt das Spiel aufbauen konnte.

Die Moskauer schienen einhellig der Meinung zu sein, wenn sie den Ball nicht haben, können sie auch keine Fehler machen. Dieser Ansicht geschuldet, schenkte man den Ball bei nahezu jedem Ballkontakt einfach den gastfreundlichen Hausherren. Dafür tauchte der Stuttgarter Ibisevic immer häufiger Vorne auf, während sein Gegenstück auf der anderen Seite Kevin Kuranyi immer weiter abtauchte.

In der 68. Minute hatte dann Dynamo auch endlich seinen ersten Eckball – im gesamten Spiel bis dahin! Natürlich wurde dieser nicht genutzt. Stuttgart agierte, Moskau reagierte nur noch.

Dann rächte sich die passive Einstellung von Dynamo. Der Ball landete vor dem Stuttgarter Hoogland, der packte die Brechstange aus und zog aus der zweiten Reihe ab. Der Moskau-Keeper Anton Schunin konnte diesen Gewaltschuss nicht festhalten und den Abpraller drückte Ibisevic in der 72. Minute ohne Probleme über die Linie – 1:0 für Stuttgart.

Jetzt war Dynamo gezwungen auch etwas offensiver zu spielen. Da wurde in der 75. Minute Kevin Kuranyi gegen Andrej Panjukow ausgewechselt. Sehr kurios, aber Kuranyi war am Ende, er hatte schon seit 10 Minuten Wadenkrämpfe – die Frage bleibt: woher?

Mit dem Blick auf das Rückspiel hätte Dynamo die letzten Minuten nicht auf Halten des 0:1 spielen sollen. Denn der VfB war noch nicht am Ende seines Fußballlateins. In der zweiten Minute der Nachspielzeit eine ganz starke Vorarbeit von dem Mann von der Elfenbeinküste Traore für Stuttgart. Er spielte die Dynamo-Abwehr auf dem rechten Flügel schwindelig, stürmte runter zur Torauslinie, nahm den Kopf hoch und hatte die Übersicht für den freien Mann. Seine Flanke kam perfekt auf den lauernden Ibisevic, der hielt den Kopf hin und der Ball zappelte zum zweiten Mal in den Maschen von Dynamo Moskau. Mit dem anschließenden Schlusspfiff nahm der VFB doch noch das Wunschergebnis mit ins Rückspiel nach Moskau.

Der VFB Stuttgart schlug Dynamo Moskau verdient mit 2:0. Die Moskauer taten nichts fürs Spiel. Den Stuttgarter mangelte es zwar auch an Tempo und zwingenden, spielerischen Aktionen, aber nach den beiden Gegentoren steht Dynamo vor einer sehr schweren Aufgabe im Rückspiel.

VfB Stuttgart – Dynamo Moskau 2:0 (0:0) 

Tore: 1:0 und 2:0 Ibisevic (72./90.+2)

Moskau: Schunin – Wilkshire, Fernandez, Schildenfeld, Lomic – Noboa, Jusupow – Neschajtschik (85.Granat), Misimovic (38.Senschow), Dzsudzsak – Kuranyi (75.Panjukow)

 

Stuttgart: Ulreich – Hoogland, Tasci, Maza, Boka – Kvist, Gentner – Harnik (61.Torun), Hajnal (77.Cacau), Okazaki (61.Traore) – Ibisevic

Schiedsrichter: Collum (SCO)

Zuschauer: 20.400

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