Sofia Oschigawa wurde beim olympischen Boxturnier um Gold betrogen.

Sofia Oschigawa wurde beim olympischen Boxturnier um Gold betrogen.

London. Am Donnerstag wurde die Medaillenbilanz der russischen Sportler bei den Olympischen Sommerspielen in London um eine Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille erweitert. Damit kletterte Russland in der Nationenwertung auf Platz vier. Der russischen Boxerin Sofia Oschigawa wurde der Olympiasieg geklaut.

Die Russin Natalia Worobjowa ist stärkste Frau bei den Ringer-Wettbewerben in London geworden. Im Finale der Kategorie bis 72 Kilogramm gewann sie gegen die Bulgarin Stanka Hristowa. Bronze ging an die Spanierin Maider Unda und die Kasachin Gusel Manjurowa.

Die 21-jährige Worobjowa erzielte mit diesem Olympiasieg ihren bisher größten sportlichen Erfolg. Sie gehört eigentlich noch zum „Nachwuchskader“ der russischen Ringerinnen. Sie wurde in den letzten Jahren mehrfache Junioren-Welt- und Europameisterin und belegte bei der Europameisterschaft der Frauen 2012 den 3. Platz in der Gewichtsklasse bis 72 kg Körpergewicht. Erst Ende März dieses Jahres machte sie einen ganz großen Schritt in Richtung Olympische Spiele, bei den russischen Meisterschaften siegte sie im Endkampf gegen die zweifache russische Meisterin Jekaterina Bukina und wurde damit russische Meisterin 2012 – dieses war die Fahrkarte nach London.

Zweimal Silber im Frauen-Boxen

 

Seit diesem Jahr ist Frauenboxen zum ersten Mal eine olympische Disziplin. Olympisches Boxen ist erfreulich transparent, direkt zum Ende jeder Runde werden die Wertungen der Punktrichter auf der Anzeigentafel eingeblendet. Nur was bewerten diese Juroren eigentlich?

Erfreulich war – Sofia Oschigawa hat die erste Silbermedaille für Russlands Boxfrauen bei Olympischen Spielen gewonnen. Den Finalkampf in der Gewichtsklasse bis 60 kg verlor sie aber sehr unglücklich nach vier Runden gegen die Irländerin Katie Taylor mit 8:10 Punkten.

Da der Boxkampf in London stattfand und die Halle mit Briten vollbesetzt war, ist dieses Ergebnis auch kein Wunder. Die Punktrichter aber hatten wahrscheinlich wieder einmal in diesen 4 x 2 Minuten einen anderen Kampf gerade gesehen. In der letzten Runde hatte Oschigawa vier ganz klare Treffer, die Irländerin nur einen. Die Punktrichter werteten diese vierte Runde aber 3:3 – schon sehr eigenartig. Taylor wurde in der letzten Runde sogar so klar getroffen, wonach sie hätte angezählt werden müssen – die Ringrichterin hatte aber auch Scheuklappen auf und sah dieses nicht.

Dieses olympische Boxturnier, jedenfalls bisher bei den Männern, hat bei den Kampf- und Punktrichterentscheidungen im besten Fall Kirmesniveau. Dieser Kampf hat dieses jetzt auch bei den Frauen nur bestätigt!

Zu einem regelrechten Skandal wurde der Kampfausgang im Bantamgewicht zwischen dem Japaner Satoshi Shimizu und Magomed Abdulhamidow aus Aserbaidschan. Denn obwohl Shimizu seinen Gegner gleich sechsmal am Boden hatte, wurde Abdulhamidow nicht mehr angezählt und schließlich sogar zum Punktsieger (22:17) erklärt. Nach dem Protest der Japaner hob der Boxweltverband (AIBA) das Urteil auf und bestimmte Shimizu zum Sieger durch Überlegenheit. Der turkmenische Unparteiische Ischanguli Meretnijasow der den Kampf geleitet hatte, und der aserbaidschanische Funktionär der AIBA Aghajan Abiyew, wurden suspendiert. Es ist schon blamabel, dass der AIBA nicht im Stande ist, unfähige Referees bei dem olympischen Boxturnier in London erst gar nicht an den Start zu lassen.

Die 33-jährige Russin Nadeschda Torlopowa gewann auch eine Silbermedaille beim olympischen Boxturnier in der Gewichtsklasse bis 75 kg. Die Amateurweltmeisterin von 2010 verlor ihren Finalkampf gegen die erst 17-jährige US-Amerikanerin Claressa Shields mit 12:19 Punkten. Dieses Ergebnis war vertretbar. Bronze gewannen Marina Wolnowa (Kasachstan) und Li Jinzi (China). Erstaunlich ist, dass Torlopowa erst vor 5 Jahren mit dem Boxsport begann. Als sie ihren damals fünf Jahre alten Sohn zum Boxtraining brachte, beobachtete sie das Sparring und sagte sich: Das kann ich doch auch. So begann im „fortgeschrittenen“ Alter eine sportliche Karriere, die Torlopowa bisher zu Silber bei Olympia führte.

Bronze für russische Kanuten

Die beiden jungen (erst 22 Jahre) Russen Alexej Korowaschkow und Ilja Perwuchin gewannen am zweiten Finaltag der Kanuten bei Olympia im Zweier-Canadier über 1.000 Meter die Bronzemedaille. Deutschlands Kanuten waren auch in den zweiten Tag in London mit einer Goldmedaille gestartet. Peter Kretschmer und Kurt Kuschela gewinnen das Rennen vor Alexander und Andrej Bahdanowitsch aus Weißrussland.

Russische Basketballerinnen verlieren Halbfinalspiel

Das russische Basketball-Team der Damen hat bei den Olympischen Spielen ihr Halbfinalspiel gegen Frankreich mit 64:81 (15:24, 16:14, 20:21, 13:22) verloren. Die Russinnen, als Europameister, haben jetzt nur noch die Chance, gegen Australien zum dritten Mal in Folge Bronze bei Olympischen Spielen zu holen.

Im Medaillenspiegel liegt Russland, drei Tage vor Ende der Olympischen Sommerspiele, jetzt auf Platz vier. Insgesamt erkämpften russische Sportler bisher 56 Medaillen – 12 Olympiasiege, 21 Silber- und 23 Bronzemedaillen. Einige Plätze auf dem Siegerpodest wird es noch geben, der angepeilte dritte Platz in der Nationenwertung, den Großbritannien fest inne hat, dürfte aber trotzdem nicht mehr erreicht werden.

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