Jewegni Trefilow war wie immer sehr arrangiert am Spielfeldrand, trotzdem ist sein Team nur noch Zuschauer.

Jewegni Trefilow war wie immer sehr arrangiert am Spielfeldrand, trotzdem ist sein Team nur noch Zuschauer.

London. Gestern ist der viermalige Weltmeister Russland bereits im Viertelfinale des olympischen Handballturniers mit 22:23 (11:14) gegen Südkorea ausgeschieden. Die Verantwortung für dieses Scheitern übernahm jetzt Trainer Jewegni Trefilow und er sieht auch schlechte Zeiten für den russischen Frauenhandball.

„Ich bin schuldig. Punkt! Es war nicht das Team, das diese Partie verloren hat, sondern ich war es, der es verloren hat“, sagte Trefilow auf der anschließenden Pressekonferenz. Ins genauere Detail ging der russische Trainer nicht.

„Die Koreanerinnen waren schneller und stärker als wir. Wir konnten dieses Spiel nicht gewinnen“, sagte die russische Torhüterin Maria Sidorowa kurz und knapp, nach dem Spiel. Gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Rsport.ru erhob sie leise Kritik an den Schiedsrichtern: „Da gab es eine Situation zum Ende der Partie, wo unsere Mädels einen großartigen Block gestellt haben und der Ball dann an das Bein einer Koreanerin ging und es danach unser Angriff gewesen wäre. Aber die Schiedsrichter ließen Korea im Ballbesitz.“

Gegenüber „Sport-Express“ verwies der Frauen-Coach auf die Behandlungspausen. „Vor dem Start des Turnieres wurde ein technisches Meeting durchgeführt und dort hieß es, dass bei der Verletzung eines Spielers dieser sofort das Feld auf einer Trage verlassen muss. Wenn es den Verdacht der Simulierung gibt, erfolgt eine Verwarnung oder Hinausstellung“, so Trefilow. „Aber wir hatten immer wieder kleine Unterbrechungen von Beginn an, hier und da war immer eine der Koreanerinnen verletzt und hat sich lange auf dem Feld ausgeruht. Eine Trage habe ich nie gesehen. Als Resultat hatte mein Team eine Auszeit und Korea fünf.“

Jetzt könnte es personelle Konsequenzen geben. Bereits zum dritten Mal in Folge wurde das Halbfinale für Russlands Handballnationalmannschaft der Frauen bei einem Großturnier verpasst. Zu einer Ablösung von Trefilow, sagte Sidorowa: „Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Es gibt Leute, die einen Wechsel wollen. Trefilow ist ein Mann, der so viel erreicht hat mit dem Nationalteam, Weltmeistertitel und Silber in Peking. Er ist fähig zu arbeiten, liebt die Position und weiß viel.“

Trefilow selbst siehtt bei einem Wechsel auf seiner Position keine großartigen Fortschritte und holt stattdessen zu einem Rundumschlag aus. „Es gibt keine Zukunftsaussichten für den russischen Handball. Wie auch immer, wenn mein sofortiger Rücktritt helfen würde, würde ich das jetzt auf der Stelle tun“, so Trefilow. „Ich fürchte nur, dass das dem russischen Handball derzeit nicht helfen wird. Es gibt einfach keine jugendlichen Talente derzeit. Die Ü30-Generation geht und es ist niemand da, der diese Plätze einnehmen kann.“ Nach Meinung des Cheftrainers durchaus ein generelles Problem im Frauenhandball. „Das gleiche passiert auch bei Norwegen und Spanien, aber ich rede nur über Russland. In unserer 1. Liga spielen Kinder mit. Wo soll ich da Spieler für die A-Nationalmannschaft hernehmen? Nirgends.“

sotschi-2014.RU