Arsen Galstjan widmet seinen Olympiasieg seinem Land, seiner Familie und der Stadt Krymsk.

Arsen Galstjan widmet seinen Olympiasieg seinem Land, seiner Familie und der Stadt Krymsk.

Moskau/London. Den ersten Olympiasieg für Russland bei den Olympischen Sommerspielen in London errang Arsen Galstjan im Judo. Im Russischen Haus wurde sein Sieg euphorisch gefeiert, dabei gab der 23-Jährige der russischen Zeitung Gazeta.ru ein Interview.

Wie fühlt sich der Erfolg, immerhin die erste Goldmedaille für Russland bei Olympia in London, an?

 

Im Russischen Haus in London hat man mich sehr überschwänglich begrüßt. Das war für mich eine neue Erfahrung. Allerdings Angst davor, dass mir wegen meines Erfolges schwindelig werden könnte, habe ich nicht. Mit Falltechniken kenne ich mich ganz gut aus. (lacht)

 

Für viele war diese Medaille eine Überraschung. Haben Sie selbst an einen solchen Erfolg geglaubt?

 

Ich habe mich sehr lange auf die Olympischen Sommerspiele vorbereitet und viele harte Trainingseinheiten hinter mich gebracht. Die ganze Zeit hatte ich nur ein Ziel vor Augen: Die Goldmedaille. Und mit dieser Einstellung habe ich dann auch gesiegt. Es war natürlich nicht einfach. Aber das Finale erwies sich dann als viel leichter als die beiden Kämpfe davor. Gleich in der ersten Minute brachte ich meinen Gegner zu Fall und erreichte so einen Schultersieg. Aber wie gesagt: Bedeutend schwerer waren das Viertel- und das Halbfinale. Ich rechnete allerdings auch nicht mit leichten Siegen, sondern war auf einen harten Kampf vorbereitet.

 

In Ihrem ersten Interview sagten Sie, dass Sie diesen Sieg Ihrem Land, Ihrer Familie und der Stadt Krymsk widmen.

 

Das ist gar keine Frage. An erster Stelle steht für mich meine Familie, an zweiter mein Land, und was Krymsk betrifft… Ich hoffe, dass meine Medaille den Menschen ein wenig Freude beschert hat. Ich wünsche mir, dass die von der Tragödie Betroffenen nicht verzagen, ihre Kräfte wiederfinden und weiterleben können.

 

Bekommen Judokas in Russland besondere moralische Unterstützung, weil ihre Sportart auch zu den Hobbys des Präsidenten gehört?

 

Ja, natürlich. Wir sind stolz darauf, dass unser Präsident ein Judoka ist. Unser Team hat sich mehrfach mit Wladimir Putin getroffen. Er hat immer an uns geglaubt und uns unterstützt.

 

Putin wird nach London reisen und die Judowettkämpfe verfolgen. Was halten Sie davon?

 

Ich bewerte das eindeutig positiv. Wir freuen uns darauf ihn in der Arena zu sehen. Und wie sagt man in England: Welcome!

 

Vor den Sommerspielen meinten Sie, der schwerste Kampf stünde Ihnen gegen einen Sportler aus Usbekistan bevor, den Sie nun im Halbfinale besiegt haben. Hatten Sie das Gefühl, nach diesem Triumph die Goldmedaille schon in der Tasche zu haben?

 

Ich habe auch vor dem Halbfinale an mich geglaubt. Aber selbst nach dem Sieg im Halbfinale habe ich mich nicht eine Sekunde lang entspannt. Schließlich stand das Finale noch bevor, in dem keineswegs ein schwächerer Gegner auf mich wartete. Ich habe also noch mehr Kräfte mobilisiert.

 

Arsen, erzählen Sie uns bitte von Ihrer Familie. Wer sind Ihre Eltern? Haben Sie eine große Familie?

 

Unsere Familie besteht aus meinem Vater, meiner Mutter und drei Brüdern. Ich bin der älteste. Eigentlich wollten wir Fußballer werden, aber irgendwie kamen wir alle zum Judo. Der Jüngste von uns ist Judo-Meister, genauso wie auch der Älteste. Wir haben immer gekämpft und kämpfen bis heute.

 

Was werden Sie jetzt tun, nachdem Sie bereits eine Medaille errungen haben? Sie werden wahrscheinlich mehr Freizeit haben. Haben Sie vor, Ausflüge zu machen oder wollen Sie Ihr Team in der Halle unterstützen?

 

Ich werde bis zum Ende der Judowettkämpfe hier bleiben, so ist der Plan. Wir bleiben und unterstützen unser Team, wir halten zusammen. Was meine Freizeit betrifft, bin ich mir noch nicht so sicher. Jetzt möchte ich erst mal nur schlafen. Aber morgen wache ich dann auf und werde mich auf den Weg machen, um bei den nächsten Wettkämpfen zu fiebern. Unsere Kämpfer brauchen Unterstützung und ich werde in der Halle zur Stelle sein. Und wenn wir Zeit haben, dann ziehen wir um die Häuser.