Moskau. Mit dem Spiel des Aufsteigers FC Mordowia Saransk gegen Lokomotive Moskau wird am Freitag die neue Saison der höchsten russischen Spielklasse eröffnet. Einen Durchmarsch von Zenit St. Petersburg, wie in der letzten Meisterschaft, wollen dieses Mal gleich mehrere Mannschaften verhindern. Einen richtigen Favoriten gibt es in dieser Saison nicht.

Nach den aufregenden und nicht immer positiv verlaufenden letzten Wochen können sich ab Freitag wieder alle Fans und Teams in Russland auf die aktuelle Meisterschaft konzentrieren.

Alle 16 Mannschaften der Premier-Liga konnten sich dieses Jahr in Ruhe auf die neue Saison vorbereiten. Die Verantwortlichen und auch die Medien konzentrierten sich hauptsächlich auf andere Baustellen. So wurde mehr Aufmerksamkeit der Suche eines neuen Nationaltrainers geschenkt. Auch der Fußballverband Russlands (RFS) sorgte nach dem Rücktritt des Chefs Sergej Fursenko für eine sehr umstrittene neue Regel – die Profivereine in Russland können jetzt bis zu sieben ausländische Spieler in den Meisterschaftsspielen einsetzen. Damit ging der RFS auch auf Konfrontationskurs mit dem Weltfußballverband FIFA. Sofort wurde diese neue Regel auch heftig vom Sportminister Witali Mutko kritisiert – bisher hat sie aber Bestand.

Moskauer Teams blasen zum Angriff

Unterdessen hatten sich viele Teams in der Sommerpause verstärkt, wobei spektakuläre Verpflichtungen bisher ausblieben. Lok Moskau setzt auf zwei neue Stützen aus der kroatischen Nationalmannschaft. Neben dem ehemaligen Chef-Coach von Kroatien Slaven Bilic wurde auch der kroatische Nationalspieler Vedran Corluka von Tottenham Hotspur neu verpflichtet. Damit stehen die Zeichen bei Lokomotive auf Wiedergutmachung, nachdem in der letzten Saison mit dem siebten Platz noch nicht einmal ein Europapokalplatz erreicht wurde.

Dynamo Moskau verstärkte sich ebenfalls mit einem kroatischen Nationalspieler, Gordon Schildenfeld von Eintracht Frankfurt wurde eingekauft. Bei der gerade zu Ende gegangenen Fußball-EM in Polen und der Ukraine überzeugte Schildenfeld und machte dort nachhaltig auf sich aufmerksam. Außerdem ernannte Dynamos Cheftrainer Sergej Silkin den ehemaligen deutschen Nationalspieler Kevin Kuranyi zum neuen Kapitän. Bisher hatte der Ex-Bundesligaprofi Andrej Woronin dieses Amt bei Dynamo inne, doch wegen eines Streites mit Silkin soll Woronin den Traditionsclub verlassen. Damit ist Kuranyi der erste Deutsche, der als Kapitän eines russischen Fußballprofiteams agiert.

Vizemeister Spartak setzt wie Lok auf einen neuen Trainer. Mit dem Spanier Unai Emery (bislang Valencia) wurde ein sehr erfahrener Chef-Coach verpflichtet.

Gazprom hat im Moment andere Schwerpunkte

Die beiden Topteams Zenit und ZSKA haben bisher keine spektakulären Neuzugänge zu verzeichnen. Andrej Arschawin ist wieder von Zenit zu Arsenal London zurückgekehrt, wo er auch bereits im Training steht. Arschawin war zur Winterpause von Arsenal an Zenit nur ausgeliehen worden, damit er Spielpraxis für die EM sammeln sollte – viel genützt hatte es auch nicht. Zenit hat zwar den Georgier Levan Kenia vom FC Schalke 04 verpflichtet, ein richtiger „Knaller“, wie ihn Trainer Luciano Spalletti fordert, ist das aber auch nicht.

Zudem legte Zenit Sponsor Gazprom sein Hauptaugenmerk in dieser Sommerpause auf andere Sponsorenverträge. So wurde vor einer Woche vermeldet, dass Gazprom als Sponsor in die Champions League einsteigt und vor zwei Tagen, dass Gazprom auch Energie-Partner vom aktuellen Champions League Sieger FC Chelsea London wird.

Es riecht nach Überraschungen

Für eine kräftige Überraschung in dieser Saison könnte durchaus Anschi Machatschkala sorgen. Das Team von Trainer Guus Hiddink will in dieser Saison die Investitionen der letzten Jahre von Vereinspräsident Sulejman Kerimow amortisieren und sich für die nächste Champions League qualifizieren.

Unterschätzt werden sollte auch nicht der Pokalsieger und frischgebackene Super-Cup Gewinner Rubin Kasan. Beim Meister von 2008 und 2009 spielen die aus Deutschland bekannten Nelson Valdez (Bremen, Dortmund) und Obafemi Martins (Wolfsburg). Eine Verpflichtung von Gökhan Töre vom Hamburger SV könnte auch noch anstehen. Jedenfalls hatte Rubin, beim Super-Cup Sieg gegen Zenit (2:0), seine hervorragende Klasse bereits eindeutig unter Beweis gestellt.

„Dieses Jahr ist die Konkurrenz sehr groß und sehr gut.“, sagte treffend Kevin Kuranyi. Ein Durchmarsch wie im vergangenen Jahr von Meister Zenit St. Petersburg ist in der Tat kaum zu erwarten. So eng wie nie sei die Spitze in der Premier zusammengerückt, sagen Experten in Russland. Profitieren werden auf alle Fälle die Fans davon. sotschi-2014.RU wird für sie die Saison verfolgen.