(von Jürgen Mayer) Moskau. Was sich in den letzten Wochen bereits abgezeichnet hatte, ist nun fast beschlossene Sache. Das Pokern um das Amt des russischen Fußball-Nationaltrainers hat ein Ende. Der Italiener Fabio Capello wird neuer Chefcoach der „Sbornaja“. Capello war am Montag, nach Sky Sport Italia, zusammen mit seinem Sohn und Berater Perfilippo nach Russland geflogen, um die letzten Formalitäten mit dem russischen Fußballverband abzuklären.

Es wird erwartet, dass der 66-Jährige in den kommenden Tagen den Vertrag als Fußball-Cheftrainer von Russland unterschreiben wird. Damit tritt Capello die Nachfolge des Niederländers Dick Advocaat an, der sich nach dem blamablen Vorrundenaus bei der Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine in Richtung Eindhoven verabschiedete. Die Übernahme der Mannschaft durch Fabio Capello bestätigte auch der Präsident des russischen Verbandes Nikita Simonjan, nachdem Mannschaftskapitän Andrej Arschawin auf seiner Webseite Capello bereits gratuliert hatte.

Genaue Details des Vertrags und auch des Dialogs von Capello mit dem RFS sind noch nicht bekannt geworden. Russische Medien berichten aber bereits, dass sich der russische Verband die Dienste Capellos rund sechs Millionen Euro kosten lässt. Seine Aufgabe ist bereits jetzt klar definiert – er soll die „Sbornaja“ zur WM 2014 in Brasilien führen und nicht wieder, wie bei der letzten WM-Qualifikation, scheitern.

Russland galt bei sportwetten als Mitfavorit auf den Euro-Titel, im letzten Gruppenspiel aber scheiterten sie an den bis dato wenig spielfreudigen Griechen. Nicht zuletzt setzt man mit Capello deswegen auf einen Disziplinfanatiker.

Es ist bekannt, dass Capello – Anhänger der strengen Disziplin ist. Welches er in England sofort nach Amtsantritt unter Beweis stellte. Er führte dort eine neue Kleiderordnung ein – für formelle- und obligatorische Veranstaltungen, für gemeinsame Mittag- und Abendessen. Weiterhin erlies er ein Verbot der Kommunikation von Spielern mit Familie und Freunden vor den Nationalspielen, ein Verbot von Videospielen in den Räumen an der Basis und im Hotel und ein Verbot der Nutzung von Mobiltelefonen im Mannschaftsbus. Wenn Capello nicht seine Prinzipien ändert, wird dieses alles auch bei der russischen Nationalmannschaft zu sehen sein. Übrigens – es waren die gleichen Regeln, die er auch als Vereinstrainer erlies.

„Ich bin glücklich. Wenn die Verhandlungen so positiv weitergehen, wovon ich ausgehe, wird es ein wunderbares Abenteuer“, sagte Capello.

Das Amt des russischen Nationaltrainers ist für den Italiener das zweite Engagement als Chefanweiser einer Länderauswahl. Nach fünf Jahren war er im Februar als Trainer der Engländer zurückgetreten, nachdem John Terry ohne sein Einverständnis als Kapitän der „Three Lions“ abgesetzt worden war. Capello fühlte sich bei der Entscheidung hintergangen und stellte sein Amt zur Verfügung.

Nach seiner aktiven Karriere, in der er unter anderem für Juventus Turin, AS Rom und AC Mailand aktiv war, begann seine Laufbahn als Trainer 1991 bei den „Rossoneri“. Mit Milan gewann er in fünf Jahren vier Meistertitel und darüber hinaus die UEFA Champions League. Auch bei Juventus Turin, AS Rom und Real Madrid war Capello auf Klubebene als Cheftrainer aktiv.

Autor: Jürgen Mayer

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