Wer die Bautätigkeiten seit der Vergabe der Spiele im Sommer 2007 kontinuierlich verfolgt hat, muss die bereits vollbrachten Leistungen hoch anerkennen.

Wer die Bautätigkeiten seit der Vergabe der Spiele im Sommer 2007 kontinuierlich verfolgt hat, muss die bereits vollbrachten Leistungen hoch anerkennen.

Sotschi. Am 4. Juli 2007 wurde in Guatemala-Stadt auf der 119. Session des Internationalen Olympischen Komitees die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 an Sotschi beschlossen. Während einer Zeremonie beobachteten über 4.000 TV-und Radiostationen weltweit den Sieg von Sotschi. Pyeongchang und Salzburg hießen die unterlegenden Städte. Nach der Wahl von Sotschi gab es viel internationale Kritik. Hatten diese Skeptiker Recht und wie sieht es heute in Sotschi aus?

Russland ließ sich nach der Wahl von Sotschi keine Zeit verstreichen um mit den Vorbereitungen zu beginnen. Bereits einen Tag später am 5. Juli unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin ein Dekret № 848 „Über die Vorbereitungen für die XXII Olympischen Winterspiele und die XI Paralympischen Winterspiele in Sotschi.“

Alles musste neu errichtet werden

 

Die Olympischen Winterspiele werden vom 7. bis 23. Februar 2014 in Sotschi stattfinden. Vom Vergabetermin also nur knapp sieben Jahre bis zur Realisierung. Zum Zeitpunkt der Vergabe gab es keine einzige Sportstätte in Sotschi, die sich für die Olympischen Spiele geeignet hätte. Gleiches traf auf öffentliche Gebäude wie zum Beispiel Hotels und Krankenhäuser und auch auf die gesamte Infrastruktur in Sotschi und Umgebung zu. Anders als bei den beiden anderen Kandidatur-Städten bestanden die Wettkampfstätten in Sotschi lediglich als Computeranimation. Dazu kam auch noch, dass das erste Mal in der Geschichte der Olympischen Winterspiele eine Stadt mit subtropischem Klima gewonnen hatte. Insgesamt eine riesige Herausforderung für das flächenmäßig größte Land der Welt, für Russland.

Am 2. Oktober 2007 wurde das Olympische Organisationskomitee „Sotschi 2014“ gegründet. Das Komitee hat die Aufgabe die Wettkämpfe vorzubereiten, den Bau der Sportstätten und die Verbesserung der Infrastruktur zu betreiben und die Finanzierung der Spiele sicherzustellen. Somit konnten alle Vorbereitungsarbeiten beginnen – und es wurde mächtig geklotzt.

Es wurde bisher nicht gekleckert – es wurde geklotzt

Mit Blick auf die Olympischen Winterspiele wurde die gesamte Verkehrsinfrastruktur erneuert und ausgebaut. So wurden Straßen, Brücken und Tunnel neu gebaut, die den Verkehr entscheidend beschleunigen. Eine komplett neue Bahnstrecke mit allen Bahnhöfen wurde ebenfalls gebaut. Es wurde der neue Fracht-Seehafen kürzlich eröffnet. Der internationale Flughafen in Sotschi-Adler wurde auf den neusten internationalen Standard gebracht inklusive einer neuen zweiten Start- und Landebahn und auch viele neue Hotels und Krankenhäuser wurden errichtet und sind bereits teilweise auch in Betrieb. Weiterhin sind zum heutigen Datum über 70 Prozent der Sportstätten fertiggestellt.

Alle Vorbereitungen laufen unter Einhaltung des vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorgegebenen Zeitplans. Erste Test-Wettbewerbe wurden bereits auf den Sportstätten ausgetragen, darunter Alpine-Weltcup-Rennen, über die sich die beteiligten Sportler nur sehr positiv geäußert hatten.

Umweltschutz wurde strikt eingehalten

Mit den Spielen wird ein gewaltiger Anreiz zur Verstärkung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung sowie der Modernisierung der gesamten Schwarzmeerregion und des ganzen Landes gesetzt. Selbstverständlich bedeuten die Bauarbeiten eine Umwelteinwirkungen auf die westkaukasische Naturlandschaft. Es wurden aber strikt die ökologischen Auflagen des IOC erfüllt. Außerdem wurden die Gebäude und Sportstätten nach Russlands allererstem Öko-System „Grüner Standard“ gebaut.

Zu diesem Öko-System „Grüner Standard“ gehört zum Beispiel, dass der gesamte Aufbau nur mit umweltfreundlichen Materialien ausgeführt wird. Weiterhin werden ausgleichende Projekte realisiert – ein Umpflanzen der Flora und Fauna, weiter weg von Baustellen, damit die Schäden an der Natur verringert werden. Außerdem werden überall Wasserwiederverwertungssysteme eingesetzt, mit denen Regen und Schmelzwasser gesammelt und bearbeitet werden. Neue geschützte und natürliche Gebiete werden geschaffen. So wird ein 200 ha großer ornithologischer Park errichtet. Ein wissenschaftliches Umweltzentrum wird in der Olympiastadt gegründet.

Finanzen liegen im Budget

Eingeplant ist ein Gesamtetat von 24 Milliarden US-Dollar. Der überwiegende Teil, nämlich 22 Milliarden US-Dollar, werden jedoch für den Aufbau einer über die Spiele hinausgehenden Tourismusinfrastruktur ausgegeben. Das ist ein Entwicklungsprogramm für die ganze Region. Der Etat für die Olympischen und die Paralympischen Spiele liegt bei 2 Milliarden US-Dollar und damit im Bereich der Spiele von Nagano oder Salt Lake City.

Bevölkerung steht hinter Sotschi 2014

Allen Unkenrufen zum Trotz legt Russland sich mächtig ins Zeug, um das Projekt zu stemmen. Wer jetzt bei den vielen Bauarbeiten an die Menschen denkt, die in Sotschi leben, und diese bedauern möchte – derjenige irrt sich. Der Umgang der Einheimischen mit dem Anlass und den Bauarbeiten ist kritisch aber auch sehr begeisterungsfähig und vor allem optimistisch. In gesamt Russland wird der Vorbereitung und Durchführung der Spiele eine sehr hohe Bedeutung beigemessen. Mit den Spielen wird ein gewaltiger Anreiz zur Verstärkung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung sowie der Modernisierung der gesamten Schwarzmeerregion und des ganzen Landes gesetzt. Die Zustimmung im Lande ist mit über 80 Prozent ausgesprochen hoch.

Jedenfalls gab es nur Wenige im Vorfeld, die Russland solch einen Kraftakt zugetraut hätten, geschweige das Projekt Sotschi 2014 termingerecht fertigzubekommen. Wer aber die Bautätigkeiten seit der Vergabe der Olympischen Spiele im Sommer 2007 kontinuierlich verfolgt hat, muss die bereits vollbrachten Leistungen hoch anerkennen. Vierundzwanzig Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr arbeiten rund 50.000 Bauarbeiter dafür, dass Russland alle seine Prophezeiungen und Versprechen einhalten wird.