Oberhof/Moskau. Die russischen Biathletinnen und Biathleten sind wieder in der absoluten Weltspitze angekommen. Beim Biathlon-Weltcup in Oberhof belegten russische Sportler vier Podesplätze und gewannen die Damen-Staffel. Die Arbeit des neuen Trainers Wolfgang Pichler trägt die ersten Früchte und es wird noch viel zu erwarten sein.

Zum Beginn des vierten Biathlon-Weltcups der Saison 2011/12 in Oberhof gewann das russische Damen-Staffel-Quartett mit Anna Bogalij-Titowets, Swetlana Sleptsowa, Olga Saitsewa und Schlussläuferin Olga Wiluchina die Damenstaffel vor Norwegen und Frankreich. Deutschland in Führung liegend fiel durch vier Strafrunden von Magdalena Neuner nach dem letzten Stehend Schießen auf Platz Vier zurück.

Vor frenetischen 22.000 Zuschauern in der Oberhofer Rennsteig-Arena konnten auch 13 Nachlader die Staffel aus Russland nicht daran hindern den Staffelsieg zu holen. Trotzdem die Schießbedingungen gut waren, hatten viele Frauen Probleme mit dem tiefen Schnee, was das Feld deutlich auseinanderzog.

Zum Anfang bestimmte Frankreich das Tempo. Die zweite Runde brachte dann aber einen Führungswechsel, als die Französin Anais Bescond zweimal in die Strafrunde musste. Deutschland übernahm die Spitze und Swetlana Sleptsowa brachte Russland an die dritte Position. Diese zwei Mannschaften hielten ihre Positionen bis zum Wechsel. Als dritte Starterin für Russland kam Olga Saitsewa aber immer näher an Deutschland heran. Dann benötigten Saitsewa und die deutsche Buchholz jeweils Reservepatronen im Stehend Schießen und Deutschland verließ nur noch 1.3 Sekunden vor Russland den Schießstand. Beim letzten Wechsel lag dann Saitsewa sogar 1.8 Sekunden vor Deutschland.

Auf der letzten Runde kämpften Magdalena Neuner und Olga Wiluchina um den Sieg, Tora Berger aus Norwegen lag nur knapp dahinter. Im Liegend Schießen blieben die beiden führenden Mannschaften fehlerfrei, während Berger mit ihren Reservepatronen 28 Sekunden zurück fiel. Dann aber änderte sich alles, als Neuner nach dem Stehend Schießen gleich viermal in die Strafrunde musste und an die vierte Stelle zurückfiel. Wiluchina benötigte nur eine Reservepatrone genauso wie Berger, die nun auf die zweite Position vorkam. Frankreich zog an Deutschland auch noch vorbei und damit auf das Podium.

Dies war der vierte Sieg für die russischen Frauen in Folge. Saitsewa gewann den Sprint und das Verfolgungsrennen beim Weltcup in Hochfilzen und die russische Mannschaft der Gemischten Staffel siegte ebenfalls in Hochfilzen.

Staffel der Herren – Platz Zwei

Einen Tag später zeigten auch die russischen Männer, dass sie zur absoluten Weltspitze gehören, dieses bei sehr komplizierten Wetterbedingungen. In Oberhof sorgten Ausläufer des Orkantiefs „Andrea“ in der Nacht erst für Schnee, am Morgen dann für Regen und wenig später für erneuten Schneefall. In der Nacht hatten die Veranstalter erneut 30 Lkw-Ladungen Schnee auf der Strecke aufgebracht und die Loipe präpariert. Für die Techniker war es nicht einfach, die richtigen Skier zu finden.

Vor erneut ausverkauftem Haus und im Oberhofer Schneegestöber hatten die russischen Biathleten im Ziel als Staffel-Zweiter das Siegerpodest erreicht und damit einen endgültigen Befreiungsschlag nach der Heim-WM im vorigen Jahr gelandet. Nach viermal siebeneinhalb Kilometern musste sich die russische Formation in der Besetzung Anton Schipulin, Jewgeni Garanischew, Jewgeni Ustjugow und Alexej Wolkow nur der italienischen Herrenstaffel den Vortritt lassen. Für Italien war es der erste Erfolg in einem Staffelrennen seit 19 Jahren.

Russland setzte sich zunächst mit ihrem Startläufer Anton Schipulin an die Spitze. Danach brauchte, bei enorm schwierigen Windbedingungen, Jewgeni Garanischew fünf Nachlader um eine Strafrunde zu verhindern, aber er baute den Vorsprung dennoch mit einer starken Laufleistung auf zwei Minuten aus. Jewgeni Ustjugow verwaltete diesen großen Vorsprung zunächst, aber beim Stehendanschlag kam der große Einbruch. Mit zwei Strafrunden schmolz der noch fast zweiminütige Vorsprung auf die Italiener bis auf 30 Sekunden zusammen. Der relativ unerfahrene Alexej Wolkow, der als Schlussläufer aufgestellt worden war, konnte dem Druck nicht ganz Stand halten und musste sich dem immer näher kommenden Italiener Hofer in der Schlussrunde geschlagen geben. Schweden lief auf den dritten Rang.

Trotzdem konnten die russischen Herren mit diesem zweiten Platz bei sehr schwierigen Bedingungen mehr als zufrieden sein.

7,5 km Sprint der Damen – Platz Drei

Im 7,5 km Sprint der Frauen belegte Olga Saizewa einen hervorragenden dritten Platz. Biathlon-Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner bleibt aber das Maß der Dinge. Mit zwei fehlerfreien Schießeinlagen und einer tollen Laufleistung sicherte sich Neuner mit 37 Sekunden Vorsprung den Sieg vor der Weißrussin Daria Domraschewa, die allerdings eine Strafrunden laufen musste. Olga Zaitseva, die wie Neuner keinen Fehler schoss, verlor auf der Strecke jedoch 43 Sekunden auf die Siegerin.

Olga Wilukhina platzierte sich als Zehnte auch noch in den Top-10 und Swetlana Sleptsowa belegte den 13. Platz.

10 km Sprint der Herren – Platz Drei

Im 10 km Sprint der Herren sicherte sich Jewgeni Ustjugow ebenfalls den dritten Platz in einem spannenden Finale. Letztlich setzte sich der Deutsche Arndt Peiffer auf seiner erklärten Lieblingsstrecke trotz eines Schießfehlers in 25:57,5 Minuten hauchdünn mit 1,1 Sekunden vor dem fehlerfreien Franzosen Simon Fourcade und Olympiasieger Jewgeni Ustjugow (+ 4,8 Sekunden) durch.

Das erfolgreiche Abschneiden der russischen Männer vervollständigte Andrej Makowejew, der nicht in der Staffel eingesetzt wurde, auf Platz vier.

Massenstart Frauen – Platz Vier

Heute wurde die Biathlon-Party in Oberhof mit den beiden Massenstarts abgeschlossen. Zuerst waren bei starkem Schneefall und damit viel Neuschnee die Damen am Start. Den Sieg im 12,5 km Massenstart-Rennen errang erneut Magdalena Neuner – die Sportlerin, die mit 25 Jahren ihre Karriere dieses Jahr beenden will. sotschi-2014.RU berichtete bereits darüber – Biathlon: Magdalena Neuner wird nicht mehr 2014 in Sotschi starten

Den zweiten Platz belegte die Norwegerin Tora Berger (+12,5 Sekunden) vor Andrea Henkel (+ 32,0) ebenfalls aus Deutschland. Mit einer absolut kämpferischen Leistung gewann Olga Saizewa den vierten Platz mit 48,3 Sekunden Rückstand auf Neuner.

Diese Leistung von Saizewa verdient, trotzdem es kein Podestplatz war, allen Respekt. Bereits in der ersten Runde stürzte Saizewa und wurde auch noch von einer polnischen Mitstreiterin beim Aufrappeln behindert. 500 Meter weiter wurde Olga Saizewa erneut behindert, dieses Mal verwickelte eine Norwegerin sie in einem Ski-Einfädler. Insgesamt kosteten diese beiden Malheure der russischen Sportlerin wenigstens 30 Sekunden. Trotzdem kämpfte Saizewa in der Loipe und am Schießstand und wurde noch Vierte.

Deshalb sollte der Rückstand von Saizewa auf Neuner mit NUR 48,3 Sekunden beziffert werden. Anna Bogalij-Titowets belegte am Ende den 11. Platz.

 

Massenstart Männer – Platz Neun

 

Bei den russischen Männern war im abschließenden 15,0 km Massenstart-Rennen die Luft etwas raus. Die Laufleistungen stimmten zwar bei allen russischen Biathleten, aber die Schießleistungen ließen noch ein paar Wünsche offen.

So kam Anton Schipulin als bester russischer Biathlet auf Platz Neun mit 48 Sekunden Rückstand, aber auch er hatte zwei Strafrunden absolvieren müssen. Andrej Makowejew und Timofei Lapschin hatten je drei Fehlschüsse. Dimitri Malijschko und Jewgeni Ustjugow erwischte es noch schlimmer mit vier bzw. fünf Strafrunden – so war keine Top-10 Platzierung heute zu gewinnen.

Andreas Birnbacher aus Deutschland gewann den Massenstart nach fehlerfreiem Schießen in 38:34,6 Minuten vor dem Franzosen Simon Fourcade (+ 24,3 Sekunden/1 Fehler) und dem Norweger Emil Hegle Svendsen (+29,6/3).

Eine Regenerationspause würde bestimmt einigen russischen Athleten jetzt ganz gut tun, nur dazu wird es kaum Zeit geben. Der Weltcup-Zirkus geht bereits vom 11. bis 15. Februar im tschechischen Nove Mesto na Morave weiter. Bis zum diesjährigen Saisonhöhepunkt die Biathlon-Weltmeisterschaften vom 1. bis 11. März in Ruhpoldingen ist aber auch noch ein bisschen Zeit und vielleicht setzt noch der eine oder der andere Biathlet bis dahin eine Weltcupstation aus.

 

Fazit

 

Bei der Heim-WM im vorigen Jahr in Chanty Mansijsk war das russische Biathlon-Team ohne Titel geblieben. Darauf wurden Konsequenzen im russischen Biathlon-Verband getroffen. Die russischen Biathletinnen haben seit Anfang des Jahres einen neuen Trainer, den deutschen Wolfgang Pichler. Der 56 jährige Pichler aus Ruhpoldingen hatte vorher die schwedischen Frauen trainiert.

Pichler soll jetzt die russischen Biathlon-Damen auf die Winterspiele 2014 in Sotschi vorbereiten und sie wieder auf das Siegerpodest bringen. Außerdem ist seine Handschrift auch ganz deutlich bei den russischen Biathlon-Männern zu erkennen. Dieses ist ihm in dieser Saison bereits eindrucksvoll gelungen, seine Trainerarbeit zahlt sich im russischen Biathlon bereits jetzt aus.

 

Die 33 jährige Olga Saizewa aus Moskau wollte eigentlich vor der Saison ihre Karriere beenden. Als sie aber erfuhr, dass Wolfgang Pichler neuer Cheftrainer der Biathlon-Damen in Russland wird, überlegte sie sich noch einmal ihren Entschluss. Alle russischen Damen trainieren seit diesem Jahr bei Wolfgang Pichler und

Anna Bogalij-Titowets sagte: „Wir hoffen, die dominierende Kraft im Biathlon zu werden. Wir haben sehr hart dafür gearbeitet.“

Swetlana Sleptsowa fügt hinzu: „Unsere Mannschaft hat sehr hart im Laufen und am Schießen in unserem Trainingslager in Ruhpolding über die Feiertage gearbeitet. Wir hatten keine Pause. Die jetzigen Ergebnisse waren unser Lohn dafür.“

Andrea Henkel macht bis Sotschi 2014 weiter

Am Rande des Weltcups in Oberhof kündigte die deutsche Biathletin Andrea Henkel an, ihre Karriere bis zu den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi fortzusetzen. „Vor vier Jahren habe ich gesagt, es geht bis 2012 und dann ist gut. Aber ich habe immer noch viel Spaß und kann um die Podestplätze mitlaufen, deshalb werde ich weitermachen“, sagte die zweifache Olympiasiegerin. Seit 1995 startet die 34-jährige im Weltcup, hat dabei sieben WM-Titel geholt und 2007 den Gesamtweltcup gewonnen.

Harald Gleißner/sotschi-2014.Ru