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07

Sep

2011

Wie sehen Umweltschützer aus Russland Sotschi 2014?

Sotschi hat „Grüne Ziele“ für die Olympischen Winterspiele im Jahr 2014, auch wenn diese Umweltschützer bezweifeln. Sotschi hat „Grüne Ziele“ für die Olympischen Winterspiele im Jahr 2014, auch wenn dieses Umweltschützer bezweifeln.

Moskau/Berlin. Am gestrigen Mittwoch veranstaltete die Bundesfraktion Bündnis90/Die Grünen ein Fachgespräch zu dem Thema: „Olympische Spiele in Sotschi 2014 – ein Sportgroßereignis als Belastungsprobe für Mensch und Tier“. Die Veranstaltung fand im Deutschen Bundestag im in Berlin statt. Als Referenten waren auch Suren Gazaryan von der ökologischen Wacht am Nordkaukasus und Michail Kreinlin von Greenpeace Russland eingeladen.

Die Meinung von beiden russischen Umweltexperten war, dass es keine umweltfreundlichen Olympischen Spiele im Jahr 2014 in Russland geben wird. Suren Gazaryan betonte, dass es vor der Vergabe der Olympischen Spiele keine Umfragen in Russland gegeben hätte und die Einflüsse auf die Umwelt und auf die klimatischen Bedingungen nicht bewertet wurden.

Professor Martin Nolte von der Universität Kiel, der einleitend über die Vergabekriterien des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und den staatlichen Einfluss auf sportliche Großereignisse sprach, sagte, „dass Sotschi bei der Bewertung seiner Bewerbung vom IOC den Wert von durchschnittlich 5,7 für umwelttechnische Voraussetzungen erhalten hatte. Dieses ist nicht der vom IOC gewünschte Wert, der bei wenigsten 6,0 liegen sollte, aber auch nicht so schlecht sei. Die umwelttechnische Voraussetzungen von Sotschis Mitbewerbern Salzburg und vom südkoreanischen Pyeongchangs wurden dagegen als exzellent eingestuft, die von Sotschi „nur“ mit sehr gut.“

Weiterhin führte Prof. Nolte an: „Für Sotschi sprach bei der Vergabe von Seitens des IOC, die große Anzahl an Zimmern und die hohe Unterstützung in der Bevölkerung und seitens der Politik.“ Diese Ausführung zeigt aber, dass es doch eine Bewertung der Umweltvoraussetzungen von Sotschi gegeben hat - und auch eine Meinungsumfrage innerhalb der russischen Bevölkerung.

Suren Gazaryan führte weiterhin an, „dass 200 Hektar Wald abgeholzt wurden und der Lebensraum von Fledermäusen zerstört wurde.“ Dass neue geschützte und natürliche Gebiete geschaffen wurden, erwähnte er nicht. So wird ein 200 ha großer ornithologischer Park errichtet. Weiterhin werden ausgleichende Projekte realisiert – ein Umpflanzen der Flora und Fauna, weiter weg von Baustellen, damit die Schäden an der Natur verringert werden. Auf Nachfrage zu letztem Punkt sagte Michail Kreinlin: „Dieses würde keinen Erfolg haben, da die Pflanzen sich nicht an die neue Umgebung gewöhnen könnten.“

Auf Nachfrage vom Moderator Stefan Melle vom Deutsch-Russischen Austausch, dass doch ein großes Wasseraufbereitungswerk gebaut worden sei, hatte Herr Kreinlin keine Antwort. „Über dieses Projekt liegen mir nur wenige Informationen vor, ich habe diesen Prozess nicht verfolgt.“, sagte er. Nach seiner Meinung versickert dort nur das Geld.

Weiterhin bemängelte Suren Gazaryan, dass keine Mülltrennung vorgenommen würde. Dadurch würden giftige Abwässer in einen Fluss eingeleitet, der im Schwarzen Meer mündet. Russische Urlauber hätten jetzt Angst dort Urlaub zu machen. Laut verschiedenster russischer Medien ist Sotschi als Bad- und Kurort bis heute immer noch das Lieblingsreiseziel der russischen Bevölkerung. Auch in diesem Sommer verbrachten mehrere 10.000 russische und ausländische Urlauber ihre Erholung in Sotschi.

Auch die notwendigen Enteignungen und die damit verbundene Entschädigung von Grundstücksbesitzern wurden von beiden Umweltschützern bemängelt. Aber bereits vor Monaten hat sich Präsident Dmitri Medwedew im Streit um Enteignungen am Olympia-Standort Sotschi für eine schnellere Entschädigung von Grundstücksbesitzern ausgesprochen. Zudem müsse schnell Ersatzwohnraum für Menschen entstehen, deren Häuser wegen neuer Sportstätten für die Winterspiele 2014 abgerissen wurden, sagte Medwedew nach Angaben der Agentur Interfax.

Bisher haben bereits viele hundert Eigentümer von Immobilien in Sotschi eine finanzielle Entschädigung erhalten. Im Moment wird eine Entscheidung über die finanzielle Entschädigung von weiteren 167 Eigentümern getroffen. Dabei kommt es auf die vorläufige Bewertung der Immobilien an und auf die Arbeiten an den Rückkaufsvereinbarungen. Auch der Bau neuer Wohnungen für diese Immobilienbesitzer wird nicht ausgeschlossen.

Viola von Cramon, MdB und Sprecherin für Sportpolitik von Bündnis90/Die Grünen, sagte, dass sie in Moskau und in Sotschi keine Antworten auf Fragen nach einem CO2-freien und umweltverträglichen Bauen erhalten habe. Es konnte ihr kein ökologisches Konzept vorgelegt werden. „Alles ist jetzt schmutzig in Sotschi und die Straßen sind auf Grund der Baumaßnahmen zugestaut.“ Eine nachhaltige Nutzung bezweifelte Frau von Cramon genau wie Herr Michail Kreinlin.

Murat Achmadijew, Bauleiter der "Großen Eis-Arena", sagte gegenüber dem Bayrischen Fernsehen: "Ich bin stolz, an diesem einzigartigen Projekt teilzunehmen, überhaupt an den Olympischen Winterspielen. Viele Zuschauer werden hierher kommen und nicht merken, wie viel Arbeit, Mühe und Investitionen in diesen Bauten stecken. Hier werden nur ökologisch nachhaltige Baumaterialien verwendet. Keiner betritt die Großbaustelle ohne Kontrolle. Zum einen geht die Angst um vor Terroranschlägen - Tschetschenien ist nur 400 Kilometer entfernt. Zum anderen werden sämtliche Lastwagen geröntgt, um sicherzustellen, dass das, was in den Frachtpapieren steht, sich tatsächlich auf der Ladefläche befindet und keine Betrügereien vorkommen.“

Bei der großen Eisarena zeigt sich die Anwendung grüner Standards vor allem in der Gestaltung der Glasfassade der Kuppel. Es wird Spezial-Mehrschichtglas verwendet, das im Winter gegen Kälte und im Sommer gegen Hitze isoliert. Das ablaufende Regenwasser wird aufgefangen, gefiltert und für die Reinigung der Eisarena und die Bewässerung von Blumenbeeten genutzt. Dieses sieht und erkennt jeder Besucher auch ohne Konzept.

Das größte unter den „grünen“ Gebäuden in Sotschi ist das Zentralstadion. Bei der Projektierung von Heizung, Lüftung und Klimaanlage wurden Technologien zur Wärmerückgewinnung verwendet. Die Beleuchtung erfolgt mit LEDs und Leuchtstofflampen und wird automatisch gesteuert. Das Regenwasser wird aufgefangen, mit Nano-Aktivkohle-Filtern gefiltert und als Brauchwasser für die Toilettenspülung, Bewässerung und Brandbekämpfung genutzt. Es werden spezielle Tanks installiert, um das Regenwasser vom Dach zu sammeln und einen zuverlässigen Betrieb der Drainagesysteme zu gewährleisten. Im Gebäude sorgen Wasser-sparende Sanitäranlagen für einen kontrollierten Umgang mit dem kostbaren Nass. Alle Materialien zum Bau des Zentralstadions tragen die Vorsilbe „Öko“ im Namen. Es werden Ultra-Leicht-Konstruktionen verwendet. Auch die Nachnutzung wird groß geschrieben. Das Olympiastadion soll für die Spiele der Fußball-Nationalmannschaft und für die Fußball-WM 2018 dienen und für kulturelle Großveranstaltungen genutzt werden.

Nur ein Teil der Stadien behält seine ursprüngliche Bestimmung bei, einige werden anderwärtig genutzt, andere sogar abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut. Um Sotschi über 2014 hinaus als Tourismusziel attraktiv zu gestalten, wird mit "Sotschi Park" ein großer familienorientierter Freizeitpark gebaut werden. Als weiterer Besuchermagnet werden Formel-1 Rennen stattfinden.

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